Off Topic: Neuigkeiten zu Apophis

Seit Anfang des Jahres 2013 befindet sich Apophis auf der erdzugewandten Seite der Sonne und kann von irdischen Teleskopen aus wieder gegen den dunklen Hintergrund des Weltraumes ohne störende Einflüsse durch die Sonne beobachtet werden. Eine Vielzahl von Messkampagnen wurde schon oder wird noch in diesem Jahr 2013 gestartet.

Zur Info: Eine Historie der bisherigen Beobachtungen und Details zu Apophis mit regelmäßigen Updates  ist hier vorhanden.
 
Umlaufbahn von Apophis relativ zur Erdbahn
Umlaufbahn von Apophis relativ zur Erdbahn am 9. Januar 2013. Eine interaktive Karte ist hier bei der NASA direkt verfügbar.
Anfang des Jahres 2013 war Apophis wieder in aller Munde. Zum ersten mal seit langer Zeit war der Asteroid wieder auf der sonnenabgewandten Seite von der Erde aus sichtbar und konnte von irdischen Teleskopen aus vermessen werden.

Am 09.01.2013 stand der diesjährige Vorbeiflug von Apophis an der Erde an, der an diesem Tag in einer Entfernung von "lediglich" 14.5 Mio km als geringste Distanz stattfand. Alle großen Teleskope der Erde richteten ihre Objektive auf den Asteroiden aus, um die Bahn genauer zu vermessen und die Einschlagswahrscheinlichkeit in den Jahren 2036 und darüber hinaus genauer zu bestimmen.

Das Ergebnis vorweg: Nachdem schon länger klar war, dass der Vorbeiflug am 13. April 2029 gefahrlos für die Erde sein würde, blieb immer noch eine gewisse Unsicherheit bestehen wegen eines 600-800 km breiten Korridors bei diesem Geschehen. Sollte Apophis diesen Bereich genau treffen, war ein späterer Einschlag am 13. April 2036 nicht auszuschliessen. Die jetzigen Messungen ergaben: Apophis würde diesen Korridor verfehlen und damit keine Gefahr eines Einschlages für das Jahr 2036 bestehen.
 
Apophis am 09. Januar 2013
Foto von Apophis durch das australische iTeleskop.net. Der Asteroid ist am 9. Januar 2013 nur als sehr lichtschwaches Objekt im Fokus der beiden eingezeichneten Linien sichtbar.
NASAs 70m Goldstone-Radarschüssel hatte Apophis seit Anfang Januar 2013 im Blickfeld und vermaß die Bahn des Asteroiden bis 17. Januar 2013. Die bisher bestehenden Bahnungenauigkeiten für den Vorbeiflug im Jahr 2029 konnten soweit verkleinert und die Aussage getroffen werden, dass der kritische 2029er Vorbeiflug-Tunnel von 800 km definitiv verfehlt werden würde. Diese Aussage steht, trotz der weiter bestehenden Unsicherheiten über die Struktur, Form, Drehung und Masse von Apophis. Eine weitere Messkampagne startet im Februar 2013 mit dem Arecibo-Teleskop in Puerto Rico.

Ebenso hatte das ESA-Weltraumteleskop Herschel den Asteroiden Anfang 2013 im Visier. Mit seiner Hilfe konnte ein verbesserter Wert für den Durchmesser bestimmt werden: 325±15 m. Dieser Wert ist 20% größer als der bisher angenommene Wert von 270±60 m und damit einhergehend ist eine um 75 % größere Masse als bisher bekannt und damit ein entsprechend vergrößertes Katastrophenszenario bei einem Einschlag. Die Albedo, also die Rückstrahlfähigkeit für einfallendes Licht, ist mit 23 % anstelle von bisher angenommenen 33 % um zehn Prozent kleiner als der bisherige Wert, d.h ein etwa vorhandener Yarowski-Effekt (s.u.) wäre kleiner als bisher vermutet.
 
Apophis aufgenommen von Herschel
Apophis, aufgenommen von Herschel am 5./6. Januar 2013 (Credits: ESA/Herschel/PACS/MACH-11/MPE/B.Altieri (ESAC) and C. Kiss (Konkoly Observatory))

Es gab ebenfalls eine neue Veröffentlichung von Farnocchia, Chesley et. al., die Aussagen machte über die Größe des Yarovsky-Effektes auf dem Flug von Apophis. Zur Erinnerung: Der Yarowski-Effekt beschreibt die allmähliche Änderung der Bahn eines Himmelskörpers verursacht durch unterschiedliche Aufnahme und Abstrahlung von Energie durch das Sonnenlicht bei der Drehung von ungleichmäßig geformten Körpern. Die Autoren kommen ebenfalls zu dem Schluß, dass der Yarovsky-Effekt keinerlei Auswirkungen auf die aktuelle Bahn von Apophis hat. Der Effekt sei so klein, dass theoretische nur eine 0.000005 %ige Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag im Jahre 2068 bestünde. Die beiden Begenungen in 2029 und 2036 seinen außerhalb jeglicher vom Yarowsky-Effekt verursachten Einschlaggefahr.

Es wird also in den Jahren 2029 und 2036 keinen Einschlag von Apophis auf der Erde geben. Allerdings ist er für die weitere Zukunft nicht auszuschliessen, siehe z.B. das Szenario von 2068. Da es jetzt aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten keine Katastrophe geben wird, werden leider auch alle bisherigen Bemühungen für Asteroidenmissionen, Meßkampagnen, Abwehrmassnahmen etc. vermutlich mangels Finanzierung eingestellt werden. 

Dies ist der eigentliche Negativeffekt. Irgendwann wird es nämlich definitiv einen Einschlag und damit einhergehender Katastrophe geben, und vielleicht sollte die Menschheit sich vorher für ein solches Szenario wappnen und die geeigneten Gegenmassnahmen in der Hinterhand haben ....

Eine eigene Seite beschreibt in allen Details die Geschichte der Entdeckung der Bedrohung durch Apophis. Eine übergeordnete Seite zeigt Details über alle bisher von Raumschiffen besuchten und erforschten Asteroiden und Kometen im Sonnensystem.



Wichtige Hyperlinks
http://www.marspages.eu/in....php?page=474
http://www.marspages.eu/in....php?page=604

Veröffentlicht am:
14:25:46 10.01.2013 von Udo Günther