NASA will Spirits Befreiungsversuche beenden

In einem Artikel auf "Spaceflight Now" wird angedeutet, dass die NASA die Befreiungsversuche für Spirit einstellen will, um den Rover in eine Position zu bringen, den nächsten Marswinter energietechnisch überstehen zu können.

Fahrt zurück von Sol 2145 bis Sol 2154
Rückwärtsfahrversuche zwischen Sol 2145 und Sol 2154. Blick aus der vorderen Hazcam.
Spirit hatte in den letzten paar Sols recht gute Fortschritte erzielt, rückwärtsfahrend aus der Sandfalle bei Troja zu entkommen, siehe eine eigene Übersicht dazu hier. Am 26. Januar 2010 wurde bekannt, siehe verlinkter Artikel unten, dass die NASA-Verantwortlichen trotzdem die Befreiungsbemühungen einstellen wollten, um Spirit noch rechtzeitig vor Anbruch des Winters mit nach Norden geneigten Solarpaneelen in den Boden eingraben zu können. Damit sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, den bevorstehenden Marswinter auf der Südhalbkugel des Planeten bei tieferstehender nördlicher Sonne überstehen zu können. Spirit befand sich bei 14,6° südlicher Breite und der Winkel der Sonneneinstrahlung wurde mit Voranschreiten der Jahreszeit immer flacher. Es gab dazu eine Pressekonferenz am 26.01.2010, bei der das Ende der Befreiungsbemühungen offiziell verkündet wurde.

Übersichtskarte Lage Spirit
Übersichtskarte des Gebietes um Spirit
Der Rover stand mit dem Heck voraus in Nord-Süd-Richtung in einem kleinen Tal westlich der Home Plate, genannt "West Valley",  und es gab in Reichweite keine genügend stark in Richtung Norden geneigte Fläche, um den Rover wie in früheren Wintern in Schrägstellung zur Sonne überwintern zu lassen. Die Nordkante des kleinen Hügels "Tsiolkovsky" westlich von Spirit, schien in etwa 50 m Entfernung unerreichbar, da das Gelände bis zu diesem Ort unbekannt war und der Rover mit nur noch vier sich drehenden Rädern in vielleicht ebenfalls weichem Untergrund nicht würde vorankommen können.  
 
Das Problem war die täglich über die Solarpaneele aus dem Sonnenlicht aufnehmbare Energie. Bei weniger als 160 Wh/Sol, so die Angabe der NASA, würde es schwierig werden, den Rover über den Winter zu bringen, denn die für das Überleben in der kalten Marsnacht (bis zu -80°C) benötigten Heizungen sowie die Grundfunktionen des Rovers (Computer, Funk, etc.) erforderten mindestens diese Energiemenge. Bis zum 23. Januar 2010 war die erreichbare Energiemenge schon auf 211 Wh/Sol gefallen, d.h. es wurde langsam ernst. Der eigentliche südliche Marswinter begann erst Mitte Mai 2010 und würde bis in den November 2010 hinein andauern. Erst danach würde die Sonne für Spirit wieder zu steigen beginnen. Noch eine lange Zeit bis dahin.

Situation am Krater Scamander
Situation am Krater Scamander
In seiner jetzigen Position, eingegraben in der Sandfalle Troja, würde ein Absenken der Bugpartie mit einem gleichzeitigen Anheben des Hecks die gewünschte Ausrichtung erbringen können. Daher war auch in den letzten Sols die Befreiung mit Rückwärtsfahren ausprobiert worden, was die Hinterräder aus dem Sand heraushob. Dies brachte den gewünschten Effekt für die Optimierung der Nordausrichtung. Das linke Vorderrad war tief eingegraben (ebenfalls gut !), allerdings befand sich das rechte Vorderrad auf relativ festem Boden, was den Rover insgesamt in eine um 11° nach Westen geneigte Stellung brachte, die nicht optimal war. Damit war morgens der Winkel zur Sonneneinstrahlung ungünstig, da der Sonnenaufgang auf dem Mars wie auf der Erde im Osten stattfindet. Dagegen konnte so nachmittags und abends mehr Sonne aus Richtung Westen eingefangen werden.
 
Da das rechte Vorderrad nicht mehr drehbar war, aber sehr wohl nach links und rechts gesteuert werden konnte, wollte man durch mehrmaliges Steuern nach links und rechts versuchen, auch dieses Rad so weit wie möglich in den Boden zu versenken, um die gewünschte Absenkung der Bugpartie erreichen zu können.

Die nächsten Sols würden zeigen, ob es so klappen würde.

Mit einem im Boden fixierten Rover könnten quasi "als Lander" längerdauernde Experimente gemacht werden, so z.B. mit dem Mößbauer-Spektrometer, dessen Kobalt57-Quelle wegen der Halbwertszeit des Materials von nur 272 Tagen in der mittlerweile sechs Jahre dauernden Mission erheblich nachgelassen hatte und daher entsprechend verlängerte Messzeiten benötigte (Tage und Wochen im Vergleich zu Stunden wie zu Beginn der Mission). Außerdem konnten mit der Pancam auch als statischer Lander weiterhin dynamische Veränderungen auf dem Mars, Wettergeschehen u. dgl. beobachtet werden und mit dem Mini-TES entsprechende Temperatur-Langzeitmessungen durchgeführt werden. Über die X-Band Funkverbindung zwischen Erde und Rover liessen sich ebenfalls hochpräzise Messungen zu Rotationsungenauigkeiten des Mars ausführen und mit dem APXS-Röntgenspektrometer die Veränderungen der Gaszusammensetzung der Atmosphäre über einen längeren Zeitraum bestimmen.


Quelle
http://www.spaceflightnow.....com/news/n1001/24spirit/

Wichtige Hyperlinks
http://www.marspages.eu/in....php?page=528
http://www.marspages.eu/in....php?section=news&cmd=details&newsid=277

Veröffentlicht am:
19:32:06 25.01.2010 von Udo Günther