Gründe für die Verschiebung von Phobos-Grunt

Ein Artikel von Anatoly Zak in spacenews.com beschreibt die Gründe für die Verschiebung des Starts von Phobos Grunt auf das Jahr 2011

Phobos Grunt im Modell
Am 21. September 2009 verkündete der Direktor des Raumforschungsinstituts der russischen Akademie der Wissenschaften, Lev Zeleny, die Verschiebung des Starts für die vielen am Flug beteiligten Unternehmen und Forschungsgruppen. Grund sei, "die Notwendigkeit, durch weitere Tests des Raumschiffes und der Subsysteme die Zuverlässigkeit der Mission zu erhöhen".

Am 29. September 2009 verkündete ebenfalls der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Anatoly Perminov, dass Phobos Grunt wegen technischer Schwierigkeiten verschoben werde.

Kritische Stimmen im Hintergrund der Szene vermuteten, dass das Onboard-Flugkontrollsystem, in Rußland als BKU bekannt, weit von der Flugfähigkeit entfernt sei und sehr viel mehr Tests erforderlich seien, um den Termin 2011 halten zu können. Ursache dafür sei eine Entscheidung der Herstellerfabrik von Phobos Grunt, NPO Lavotschkina, die BKU im Hause zu bauen, anstatt sie  von OKB Mars, einer dafür tätigen Firma entwickeln zu lassen, die bisher bereits die meisten  von Lavotschkina benutzten Flugkontrollkomputer gebaut hatte. Im Hintergrund wurden finanzielle Erwägungen angenommen, obwohl NPO Lavotschkina offiziell verkündete, die externe BKU sei zu groß für Phobos Grunt.

NPO Lavotschkina setzte ein neues, unerfahrenes Team auf die Entwicklung der BKU an. Die Software wurde im Hause entwickelt, die Elektronik des Bordcomputers von der externen Firma NII Argon gebaut, die versprach, bessere, leichtere und leistungsfähigere Computer bauen zu können. Während die Entwicklung des Computers in der Zeit lag, bekam das Lavotschinka-Programmiererteam Probleme mit der Integration der Software in die Hardwareumgebung, und die Entwicklung der Software fiel weit hinter den Hardwarestand zurück.

Bis zum aktuellen Zeitpunkt seien nur einzelne Teile der gesamten Umgebung separat voneinander getestet worden, die Gesamtintegration und die zugehörigen Tests des gesamten Systems in einer Simulation der Komplettmission hätten  bisher nicht stattgefunden. Kritiker von Lavotschkinas Umgang mit dem Problem gehen davon aus, dass möglicherweise sogar der 2011 Termin gefährdet ist, wenn es nicht eine komplette Reorganisation der Entwicklung des Flugkontrollsystems gibt.

Durch die zweijährige Verzögerung besteht nun darüberhinaus auch die Möglichkeit für Roskosmos, die neue Kontrollstation in Medvezhiy Ozera nahe St. Petersburg als redundante Kontrollstation für Phobos Grunt fertigzustellen. Die Hauptkontrollstation befindet sich in Ussuriysk im russischen fernen Osten. Dadurch ist bis 2011 die kritische Kommunikationssituation, die beim Start im Jahre 2009 eingetreten wäre, nun entschärft. Die ukrainische Station in Jewpatoria, jahrzehntelang zu Sowjetzeiten ein Zentrum der Weltraumkommunikation mit russischen Raumschiffen, ist dabei, zu zerfallen und wird offenbar von der ukrainischen Regierung aus Geldmangel nicht mehr unterstützt. Eine russische Webseite beschreibt die Geschichte und das momentane Schicksal dieser Station.


Quelle
http://www.spacenews.com/c....html

Wichtige Hyperlinks
http://www.marspages.eu/in....php?page=287

Veröffentlicht am:
23:02:54 05.10.2009 von Udo Günther