Ende und Verlust

MGS war eines der erfolgreichsten Unternehmungen der NASA bis zum 2. November 2006. An diesem Tag kam es nach einem Befehls-Upload zu einem Problem bei der Bewegung der Solarpaneele. Dadurch ging die Ausrichtung der Hauptantenne zur Erde verloren und die Verbindung brach ab. Vermutlich war eines der Paneele in der Bewegung festgefressen, wodurch die optimale Ausrichtung zur Sonne nicht mehr gewährleistet war. MGS konnte nur mit vollständig funktionsfähigen Sonnenpaddeln seine Energie erhalten. Nach vergeblichen Bemühungen, die Verbindung wiederherzustellen wurde das Raumschiff am 21. November 2006 nach Verbrauch aller Energiereserven als verloren erklärt.

Am 13. April 2007 veröffentlichte die NASA einen Abschlußbericht über die Ursache des Verlust des Raumschiffes. Die Zusammenfassung hier zeigt, dass eine Verkettung mehrerer, für sich allein stehend jeweils unkritischer Vorfälle, in der Summe für den Verlust des Raumschiffes verantwortlich war:
  1. Im Juni 2006 wurde zur Verbesserung der Hauptantennenausrichtung eine Änderung an der Betriebssoftware des Raumschiffes irrtümlich auf eine nur geringfügig falsche Speicheradresse des Hauptspeichers hochgeladen. Dadurch wurden die automatischen Sicherungen für die maximal möglichen Antennenpositionen wegen Überschreibung der Speicheradressen mit den Grenzwertparametern der Hauptantenne außer Kraft gesetzt. Außerdem führte dies dazu, daß während möglicherweise auftretender Sicherheitsschaltungen aufgrund von Software- oder Hardwareproblemen ("safe mode") die Ausrichtung der Hauptantenne undefiniert und unkontrolliert geschehen konnte. All dies blieb unbemerkt.
  2. Am Tage des Ausfalls, dem 2. November 2006, wurde zunächst ein falsches Kommando hochgeladen, welches zur Überschreitung der maximalen Ausrichtungsposition der Sonnenzellen führte und auf der Erde als "Festfressen der Solarpaneelbewegung" interpretiert wurde. Das Sicherheitssystem von MGS sprang daraufhin korrekt an und versetzte das Raumschiff in den "Safe Mode", bei dem alle aktiven Aufgaben abgebrochen wurden und das Raumschiff in den "Grundzustand" versetzt wurde, um auf weitere Befehle von der Erde zu warten. Hierzu gehörte eine sofortige Ausrichtung der Hauptantenne auf die Erdposition zur Sicherstellung der Kommunikation.
  3. Wegen des Ausfalls der Sicherungsschaltungen für die Hauptantenne aus dem Juni 2006 geschah die Hauptantennenausrichtung unkontrolliert und überschritt dabei die eigentlich für sie geltende maximale Sicherheitsposition. Außerdem wurde sie nicht korrekt zur Erde ausgerichtet. Dadurch wurde eine der Hauptbatterien der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, was diese innerhalb kürzester Zeit überhitzte. Wegen der fehlenden Erdkommunikation konnte dieser kritische Zustand nicht zur Erde übermittelt werden.
  4. Die Sicherheitsautomatik für die Stromversorgung an Bord des Raumschiffes interpretierte die Überhitzung der Batterie als Überladung und reduzierte den Ladestrom, und zwar für BEIDE (!) vorhandenen Batterien. Dadurch entlud sich allmählich auch die zweite, zu diesem Zeitpunkt noch funktionsfähige Batterie. Dies blieb wegen fehlender Erdkommunikation leider unbemerkt.
  5. Innerhalb der nachsten 6 Umläufe in den nächsten 12 Stunden entlud sich daraufhin auch die zweite Batterie, was zum Totalausfall der Stromversorgung an Bord des Raumschiffes und schließlich zu dessen Ende führte. Die missionskritische Situation wurde auf der Erde erst nach einigen Tagen in ihrer vollen Bedeutung erkannt. Nach dieser Zeit gab es jedoch ohne Strom keine Möglichkeit mehr, die Situation nachträglich wieder unter Kontrolle zu bringen
Mars Global Surveyor war verloren und wird nun die nächsten 50 bis 100 Jahre weiterhin um den Mars kreisen, bis das Raumschiff irgendwann in der fernen Zukunft in der Marsatmosphäre verglühen wird.

Fazit: Ursache für den Verlust des Raumschiffes war ein inkonsistenter Programmspeicher hervorgerufen durch mangelhafte Sicherheitskontrollen beim Hochladen von Programmupdates auf das Raumschiff. Speicherüberschreibungen ("Memory Leaks") waren möglich und wurden nicht automatisch erkannt. --> Microsoft läßt grüssen :-)

Aber das war noch nicht alles ! Die nachträgliche Auswertung des ungeheuren Bildmaterials von Mars Global Surveyor förderte noch die eine oder andere ungewöhnliche Ansicht an das Tageslicht. Hier ein Foto vom 21. März 2001, aufgenommen während eines Rotationsmanövers zur Optimierung der Kameraposition. Über dem Mars im Bild unten schwebt ein Raumschiff, welches sicherlich nicht aus dem 20. oder 21. Jahrhundert stammt - nämlich dieses hier im rechten Bild !













Während des Wendemanövers fotografierte Mars Global Surveyor einige hochfliegende Wolken gegen die Schwärze des Alls - mit diesem schönen Anblick als Resultat.
 

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