nach Siding Spring

Opportunity laborierte Ende Oktober 2014 weiter an den Degradationserscheinungen seines Flash Speicherbausteins. Dadurch kam es beim abendlichen Abschalten des Rovers zum Schutz vor der kalten Marsnacht hin und wieder zu "Gedächtnisverlust", was die Übertragung der während des Tages aufgenommenen Daten zur Erde erschwerte. Außerdem war je nach Eintritssszenario auch ein Ausfall über mehrere Sols die Folge, falls der Rover in den Safe-Mode gehen sollte.

Trotzdem war Opportunity an der Fotokampagne zur Erfassung des sehr nahe am Mars vorbeifliegenden Kometen Siding Spring beteiligt. Dieser passierte den Mars am Abend des 19. Oktober 2014 während Opportunitys Sol 3817 auf dem Mars.

Danach ging die normale Routinearbeit weiter. Opportunity befand sich immer noch am Rande der Wdowiak Ridge und war mit der Analyse des beim kratererzeugenden Einschlag herausgeschleuderten Steinmaterials beschäftigt.
 
Sol 3837
Abb. 1: Wegstrecke bei der Wdowiak Ridge bis Sol 3837 (09. November 2014)
Sol 3821
Abb. 2: Umgebungsfoto von Sol 3821 (24. Oktober 2014 (Terra) - 17. August 32 (Mars)).

Wie die Abb. 2 zeigt, hatte sich der Staubanteil in der Atmosphäre vergrößert und es herrschte dadurch ein Zwielicht mit verminderter Sonneneinstrahlung. Wie die Statistikseite von Mark Lemmon bei der Universität von Arizona zeigt, ist um diese Jahreszeit des marsianischen Juli und August der Höhepunkt der sommerlichen Staubsturmsaison und auch schon in den vorhergehenden Jahren ein Maximum der Opazität zu beobachten gewesen. Hier die entsprechenden Opazitäts τ-Werte aus den letzten Sols. Größere Werte bedeuten schlechtere Sicht, was für den auf Sonnenlicht angewiesenen Rover nicht gut ist:
 
Sol 3812 3813 3814 3815 3816 3817 3818 3819 3820 3821
τ - Wert 1.16 1.07 1.06 1.04 1.18 1.20 1.51  1.60  1.75 1.89

τ-Werte über 1 hatte es bei Opportunity schon lange nicht mehr gegeben. Man konnte nur hoffen, dass sich die Sicht bald wieder klärte. DIe folgende Graphik von Mark Lemmon zeigt den periodischen Verlauf der Durchsichtigkeit der Marsatmosphäre über die letzten sieben Marsjahre 26-32 hinweg, in denen Opportunity auf der Oberfläche des Planeten umherfährt und solche Messungen überhaupt erst möglich gemacht hat:
 
Durchsichtigkeit der Atmosphäre in der Meridiani-Ebene
Abb. 3: Der Verlauf der Durchsichtigkeit der Marsatmosphäre in den letzten sieben Marsjahren 26-32 seit der Landung von Opportunity in der Meridiani-Ebene. Das aktuelle Marsjahr 32 ("MY32") ist in grün gezeichnet. Wie man sieht, verläuft die Durchsichtigkeit der Atmosphäre einem immerwiederkehrenden Zyklus über das Marsjahr hinweg. Im Winter bis etwa Ls=120° ist die Atmosphäre klar und ohne Staub, die Durchsichtikeit ist optimal, die Opazität der Marsatmosphäre durchläuft ein Minimum mit τ-Werten von um die 0.4-0.5. Während des marsianischen Sommers nimmt die Eintrübung der Atmosphäre bis etwa Ls=270° zu und durchläuft ein Maximum um Ls= 240° herum mit τ > 1.5. In dieser Periode befindet sich Opportunity aktuell. Der 17. August 32 (== 24. Oktober 2014) entspricht einem Winkel des Planeten Mars auf seiner Umlaufbahn um die Sonne von Ls= 219.8°.
Bemerkenswert ist auch der Ausrutscher der Atmosphärendurchsichtigkeit im Marsjahr 28 (lila Linie): sie zeigt den globalen Sandsturm im Juli 2007 Erddatum, der beiden Rovern Spirit und Opportunity fast zum Verhängnis geworden wäre. Er dauerte bis Ls= 320° und war außergewöhnlich. Hier war τ > 5.0 im Maximum.
Sol 3823
Abb. 4: Das Foto von Sol 3823 zeigt ebenfalls die diesige Sicht über den Endeavour-Krater hinweg. Die Opazität an diesem Sol: τ = 2.11

An Sol 3827, dem 29. Oktober 2014, schwächte sich der Staubsturm im Gusev Krater wieder etwas ab. Der τ-Wert sank auf 1.68. Einige weitere Panoramen der Sols zwischen 3823 und 3830 mit τ-Werten wischen 1.5 und 1.6:
 
Sol 3823 Sol 3825
Abb 5: Sol 3823 (25.10.2014) Abb. 6: Sol 3825 (27.10.2014)
Sol 3826 Sol 3827
Abb. 7: Sol 3826 (28.10.2014) Abb. 8: Sol 3827 (29.10.2014)
Sol 3828 Sol 3830
Abb. 9: Sol 3828 (30.10.2014) Abb. 10: Sol 3830 (01.11.2014)

Ab Sol 3832, dem 4. November 2014, schloß Opportunity seine Messungen bei der Wdowiak Ridge ab und brach zu seinem Fernziel, dem südlich gelegenen Marathon-Valley auf. Die Fahrt erfolgte am Westrand des Endeavour-Kraterrandes in Richtung Süden. Es gab weitere Problemaussetzer mit dem Flashmemory, die jedoch alle wieder kurzfristig behoben werden konnten.

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