Mars-Missionen der Sowjetunion vor 1975

Mars 3Die UdSSR hatte mit Mars 2 und Mars 3 jeweils eine Kombination von Satellitenteil und Landeraumschiff auf den Weg geschickt, um die erste weiche Marslandung durchzuführen. Mars 2 war am 27. November 1971 am Ziel, doch der Lander schlug 500 km südlich des Hellas-Gebietes hart auf.
Die Landung von Mars 3 am Rande des Mare Sirenum unweit vom Nordrand des Ptolemäus-Kraters bei 45.1°S und 158.3°W dagegen gelang, obwohl zu dieser Zeit dort ein ungewöhnlich heftiger Staubsturm wütete. Der Mars 3 Lander war somit das erste von Menschenhand gebaute Raumschiff, das weich auf dem Mars gelandet ist, und zwar am 2. Dezember 1971 - 5 Jahre vor den viel berühmteren Viking Landern. Die russische Webseite von Jurij Romanow beschreibt die Geschichte und den Flug von Mars 3. Sie enthält auch eine sehr schöne Flash-Animation zum Landevorgang. Ein Übersichtsbild des Landeortes ist bei Google Mars verfügbar:


Landeplatz von Mars 3 bei Google Mars
Landeplatz von Mars 3 am nordwestlichen Rand des Kraters Ptolemäus im Mare Sirenum (Credits: Jurij Romanov)

Erstes und einziges Mars 3-Bild der Marsoberfläche von Dezember 1971
Mars 3 übertrug das erste jemals auf der Marsoberfläche aufgenommene Bild in der Menschheitsgeschichte
Vier Minuten nach dem Aufsetzen brach während der Aufnahme des ersten Bildes (siehe rechts)  der Kontakt leider ab und weitere Informationen konnten nicht mehr übertragen werden. Der Lander ist bis heute (Stand: 2009) auf dem Mars nicht genau lokalisiert. Wer will, kann auf diesem Bild des Orbiters MRO vom November 2007 selbst versuchen, den Lander zu finden. Im Mai 2009 fand ein Benutzer der Seiten bei UMSF (User: "vk3ukf") zwei heisse Kandidaten für Mars 3 auf der Marsoberfläche in diesem NASA-HiRISE-Foto, siehe auch die eigene Seite hierzu.


 

Das Video zeigt einige Details zu den Missionen von Mars 2 und Mars 3, einschliesslich des Eintritts und des verwendeten Landeverfahrens. Wie man dort sehen kann, gab es schon 1971 eine Art "SkyCrane" für die Landung. Aktuell wird im Sommer 2012 mit diesem Verfahren das Mars Science Laboratory auf dem Mars abgesetzt.

Die Orbiter von Mars 2 und Mars 3 führten 8 Monate lang Untersuchungen der Marsoberfläche durch. Mit ihnen konnte die genaue Zusammensetzung der Atmosphäre bestimmt werden (95 % Kohlendioxid, Spuren von Sauerstoff und Wasserstoff, etwa 100.000 mal weniger Wasserdampf als in der Erdatmosphäre), sowie die Oberflächentemperatur auf +13°C bis -110°C ermittelt werden.

Den russischen Sonden Mars 4 bis Mars 7 war 1974 wenig Erfolg beschieden, während im Jahre 1971 die amerikanische Konkurrenz mit Mariner 9 einen Haupttreffer zum Mars geschickt hatte. Mars 4 und Mars 5 waren zwei Orbiter, vorgesehen für die Funkverbindung der beiden separaten Raumschiffe Mars 6 und Mars 7, die  eine weiche Landung auf dem Mars vornehmen sollten. 

Mars 4 flog zunächst erfolgreich am 10. Februar 1974 in etwa 2.200 km Entfernung am Mars vorbei. Leider mißglückte dann zwei Tage später das orbitale Bremsmanöver, was nur zu einer stark elliptischen Umlaufbahn zwischen 1.760 und 32.500 km führte.
Mars 5 gelangte in seine geplante Umlaufbahn und photographierte die Oberfläche im Rahmen seiner Missionsdaten erfolgreich. Nach knapp einem Jahr wurde der Orbiter leider durch einen Meteoritentreffer zerstört.
Mars 7 erreichte als dritter der vier Raumflugkörper am 09. März 1974 sein Ziel, sein Lander flog allerdings wegen einer zu frühen Abtrennung vom Mutterschiff in rund 1.300 km Entfernung am Planeten vorbei.
Mars 6 hatte kurz nach dem Start von der Erde einen Ausfall der Funkverbindung. Das seitdem stumme Raumschiff trennte seinen Lander dennoch bei Erreichen des Mars erfolgreich ab und das Eintauchmanöver in die Marsatmosphäre, die aerodynamische Bremsverzögerung und der Auswurf des Bremsfallschirms funktionierten planmäßig. Praktisch mit dem Aufsetzen bei 24°S/25°W brach aber plötzlich der Funkkontakt ab, so daß von der Oberfläche keinerlei Informationen und Bilder vorliegen. Man vermutet, daß die Sonde entweder stark schräg aufsetzte oder ganz umkippte.

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