Bonanza King Bohrung

Die eigentliche Bohrung bei Bonanza King begann an Sol 724, dem 19. August 2014, mit einer Testbohrung. Hiermit wurde wie schon bei den vorherigen Bohrungen zunächst der Untergrund getestet. Das Loch wurde nur etwa 0.5 cm tief gebohrt. Falls sich das Material als für die Bohrung ungeeignet erweisen sollte, konnte der Bohrer immer noch wieder zurückgezogen werden.
 
Sol 724 Testbohrung
Abb. 1: Testbohrung bei "Bonanza King" an Sol 724. Es wurde lediglich der Untergrund getestet und nicht voll in das Gestein hineingebohrt. Die Sequenz beginnt mit dem schon angesetzten Bohrer. Es wird knapp eine halbe Stunde von 13:13 Uhr - 13:45 Uhr Ortszeit gebohrt und der Bohrer dann wieder herausgezogen.
Sol 724 HazCam
Abb. 2: Das Ganze aus der Sicht der HazCam. Wie schon bei den vorherigen Bohrungen gibt es zunächst keine Probleme.

Die Analyse der Testbohrung bei Bonanza King brachte das Ergebnis, dass dieser Ort für eine komplette Bohrung nicht geeignet war. Der Untergrund gab unter den Hammerschlägen des Drillbohrers nach und die ausgesuchte Steinplatte zerbrach unter dem mechanischen Druck des Bohrkopfes. Damit war die Sicherheit des Rovers gefährdet, denn durch einen möglicherweise festsitzenden Bohrer konnte der Instrumentenarm beschädigt werden.
 
Ergebnis der Testbohrung
Abb. 3: Das Ergebnis der Testbohrung. Man bohrte an zwei Stellen. Beim ersten Versuch brach die Steinplatte des Untergrundes durch die mechanische Belastung, der Sprung ist im ersten Bild der Sequenz unterhalb des unteren Bohrpunktes klar zu erkennen. Danach setzte man etwas höher erneut an und zog mit dem Bohrer eine Furche in das Gestein. Das zweite und dritte Bild der Sequenz zoomt auf die Furche hinein.
Sol 726 ChemCam Target
Abb. 4: Ein interessantes Detail: das Gebiet der ChemCam-Analyse bei Bonanza King im Fokus der MAHLI-Kamera. Man sieht die Einschußlöcher des Lasers und den hellen Bereich um die Löcher, an denen die jeweilige Plasmawolke des vergasten Gesteines sich ausgebreitet hat.

Die Bohrung bei Bonanza King wurde daher an Sol 726 abgebrochen. Die Verantwortlichen beschlossen, die unterbrochene Fahrt zum Fuße des Aeolis Mons unverzüglich wieder aufzunehmen. Während der bisherigen Bohraktivitäten hatten die Navigatoren die Zeit genutzt, einen alternativen Kurs für Curiosity am Hidden Valley vorbei zu berechnen. Der neue Weg führte nördlich am Hidden Valley vorbei. Dabei sollten die größten Felsbrocken möglichst umfahren werden, um die beschädigten Räder zu schonen. Die Taleinfahrt hinein in den Aeolis Mons lag zu diesem Zeitpunkt noch 3 km entfernt bei einer bisher zurückgelegten Strecke von insgesamt 8.8 km. Die Räder mussten also noch mindestens nochmal mehr als 30 Prozent der bisher zurückgelegten Strecke funktionsfähig bleiben. Es blieb spannend.

Sie haben den Bohrer verbogen !

Hier das Kontrollbild des Bohrers nach der gescheiterten Bohrung:
 
Sol 726 Bohrkopf
Abb. 5: Bei der mißglückten Bohrung ist nicht nur unbeabsichtigt eine Furche statt eines Loches gebohrt worden, sondern es wurde auch der Bohrkopf beschädigt ! In diesem Kontrollbild von Sol 726 sieht man die verbogene Bohrspitze. Dies ist allerdings kein Problem, denn es gibt Ersatzspitzen an Bord. Viel ernster erscheint nach Meinung des Autors die Beschädigung an der Bohrkopfachse. Diese sitzt nicht mehr mittig auf dem Bohrerkörper, sondern man sieht leicht ausgebrochene Ränder an der Stelle, wo das Bohrfutteral in den angeschraubten Bohrerdeckel eintritt. Hoffentlich beeinträchtigt dies nicht die Funktionsfähigkeit des Bohrers ...
Zoom Abb. 6: Ein vergrößerter Ausschnitt aus vorstehendem Bild, das den Ort der Beschädigung zeigt. Das Bohrgestänge ist leicht aus dem Bohrerkörper herausgebrochen. Während der Bohrung hat sich offenbar der Rover bewegt. Dadurch ist der Arm mitsamt dem Bohrer fortbewegt worden, während der Schlagbohrer aktiv war. Das hat die beobachtete Furche erzeugt (siehe Abb. 3) und die dabei aufgetretenen Scherkräfte haben die Bohrspitze verbogen und das Bohrfutteral in seiner Fixierung im Bohrer herausgebrochen. Wenn das mal kein schlechtes Zeichen ist ....
vorher - nachher
Abb. 7: Die Vorher - Nachher - Betrachtung von Bonanza King zwischen Sol 722 und Sol 726 zeigt die dramatische Veränderung, die durch den Bohrhammer an der Steinplatte stattgefunden hat. Besonders im unteren Bereich klafft eine Spalte im Erdreich und oben links hat sich der Boden zur Platte hin abgesenkt. So wie es aussieht, hat sich die ganze Steinplatte nach oben hin entlang einer horizontalen Achse geneigt, was dann auch die Spur des Bohrhammers im zweiten Bohrversuch erklärt.


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