Hidden Valley Nordumgehung

Kaum war das Hidden Valley befahren, war der Rover auch schon wieder raus. Wie sich herausstellte, war der eigentlich räderschonende, weiche Untergrund des Hidden Valley für Curiosity nicht ohne Risiken befahrbar. Der feinkörnige, talkumpuderähnliche Sand ließ die Räder so tief einsinken, daß sie durchdrehten und sich der Rover in den Sand einzuwühlen drohte. Mit Opportunity hatte man das seinerzeit in der "Purgatory" (Fegefeuer)-Düne erlebt (marspages.eu berichtete) und wollte es kein zweites Mal riskieren.
 
Wegstrecke Sol 710
Abb. 1: Wegstrecke von Curiosity bis Sol 710 (5. August 2014). Bis Sol 714 war das Hidden Valley auf der alten Spur wieder verlassen und auf einen nördlichen Kurs eingeschwenkt worden (Karte: Phil Stooke von UMSF).

Damit blieb nach Verlassen des Hidden Valleys nur der weiter räderzerstörende Kurs nord- oder südwärts am Hidden Valley vorbei in Richtung der "Murray Buttes" im Südwesten vom aktuellen Standort. Man musste abwarten, wie die spitzen Fels- und Steinbrocken des das Hidden Valley umgebende "Zabriskie Plateau" die schon arg in Mitleidenschaft gezogenen Räder des Rover weiter beschädigen würden.

An den noch etwa 3 km entfernten "Murray Buttes" würde Curiosity auf jeden Fall die Aeolis Mons umgebenden Dünenfelder überqueren müssen, um in das in den Berg hineinführende Zieltal erreichen zu können. Die bisher auf dem Mars zurückgelegte Gesamtstrecke betrug zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 9 km.
 
Sol 713 MAHLI-Kamera
Abb. 2: Hier ein besonders krasses Beispiel der Räderproblematik, aufgenommen von der MAHLI-Kamera an Sol 713. Durch die Lauffläche des linken Vorderrades kann man zweimal bis auf den dahinterliegenden Boden durchsehen. Direkt an den Lochkodierungen der Lauffläche, die etwas mehr Stabilität durch die Querverstrebungen aufweisen, sind die Beschädigungen besonders stark. Es ist abzusehen, dass das große Loch im Vordergrund sich weiter vergrößert, die Flächen links und rechts davon sind schon stark verbeult. Wenn die Lauffläche an dieser Stelle durchreißt, dann ist es um dieses Rad geschehen und Curiosity dürfte in große Probleme kommen.

Zumindest bis Sol 717 (12. August 2014) war immer noch nicht klar, über welchen Weg die Reise von Curiosity weitergehen würde. An diesem Sol stand der Rover nach einem kurzen Abstecher an den Nordrand wieder vor der Ausfahrt des Hidden Valley, wie diese Aufnahme der Navigationskamera an diesem Sol zeigt:
 
Sol 717 Navigationskamera
Abb. 3. Sol 717. Curiosity steht wieder vor dem Eingang des Hidden Valley.

Hier einige der Bezeichnungen von markanten Wegpunkten des vor dem Rover liegenden Geländes:
 
Wegemarken
Abb. 4: Einige Bezeichnungen der vor dem Rover liegenden Gebiete. Das Armagosa-Tal schliesst sich westlich an das Hidden Valley an. Irgendwie wird Curiosity da durchfahren müssen ...

Die Durchfahrt durch das Hidden Valley oder seine alternative Nordumgehung wurden zunächst abgesagt. Die Fotos der Mastkamera zeigten am Eingang des Tales ein Vorkommen von möglichen Gipsablagerungen direkt unter der Oberfläche, die bei der Fahrt der vergangenen Sols durch die Räder des Rovers  teilweise aufgebrochen worden waren. Es gab hier helle Substanzen direkt unter der Oberfläche und man beschloß, an dieser Stelle die vierte Bohrung seit der Landung niederzubringen.

Die folgenden Aufnahmen zeigen das Panorama an Sol 719 direkt vor dem Taleingang des Hidden Valley sowie die neue Bohrzone "Bonanza King".
 
Sol 720 Panorama der Navigationskamera
Abb. 5. Panorama von Sol 720, aufgenommen mit der Navigationskamera
Bohrgebiet Bonanza King Bonanza King in der Nahaufnahme
Abb. 7: Das Bohrgebiet "Bonanza King" (links) und ein vergrößerter Teilausschnitt von Sol 719 (rechts). In der Vergrößerung sieht man die durch die Räder freigelegten Bereiche besonders deutlich. Rechts unten im linken Bild ist die Spur eines kleinen, von den Rädern herausgeschleuderten Steinchens in der kleinen Düne zu sehen. Außerdem sieht man in der größeren Steinplatte in der Mitte die Reihe der äquidistanten Einschußlöcher der ChemCam, sowie in der rechten Darstellung die schon vor einigen Sols bei der Ankuft am Hidden Valley aus dem CHIMRA ausgeworfenen pulvrigen Bohrproben der dritten Bohrung. Besonders in der Nahaufnahme rechts sind ebenfalls die vielen kleinen abgerundeten Steinchen zu sehen, möglicherweise gebildet unter Einfluß von Wasser ?

Vor der Bohrung bei Bonanza King stand zunächst die Untersuchung des Bohrgebietes im Vordergrund. Hier die Ergebnisse der Aktivitäten mit dem ChemCam-Laser:
 
Sol 721 ChemCam
Abb. 8: Blick durch die Zieloptik der ChemCam-Laserkanone an Sol 721. Von jedem der Einschußlöcher verdampft eine kleine Menge des Materials und im entstehenden gasförmigen Plasma wird das jeweilige Absorptionsspektrum mit dem ChemCam-Teleskop gemessen. So wird die Zusammensetzung des Materials an der Einschußstelle bestimmt. Gemessen wird an der Steinplatte in der Mitte der Abb. 7, linkes Teilbild. Hier wird wohl auch die "Bonanza King"-Bohrung stattfinden.
Sol 722
Abb. 9: Arbeiten mit dem Probenarm zur Vorbereitung der "Bonanza King" - Bohrung an Sol 722 (17. August 2014). Man sieht in der Sequenz, wie der Rover beim Aufsetzen des Probenarms auf dem Boden leicht hochgedrückt wird.
Sol 722 brushed
Abb. 10: Die abgebürstete Bohrzone in einer Nahaufnahme mit der MAHLI-Kamera. Man sieht deutlich, dass der Boden unter der dünnen, rötlichen Staubschicht grau ist. Dies war auch schon bei den früheren Bohrungen der Fall.
Sol 722 Bonanza King
Abb. 11: Das Bohrgebiet "Bonanza King" in der Übersicht an Sol 722


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