Räder und Dünen

Wegstrecke bis Sol 678
Wegstrecke bis Sol 685
Abb 1a,b: Wegstrecken bis Sol 678 (oben) und Sol 685 (unten). Der Rover durchquerte mehrere Sanddünen.
Ende Juni/Anfang Juli 2014 kam Curiosity in ein Gebiet mit kleineren Sanddünen. Aufgrund der teilweise schlechten Erfahrungen bei Spirit und Opportunity, die sich bereits einige Male in kleinen, unscheinbar aussehenden Sanddünen festgefahren hatten, war man hier sehr vorsichtig und stellte die automatischen Sicherheitsparameter während der sich teilweise über 100 m und mehr erstreckenden Tagesetappen konservativ ein. Spirit war seinerzeit sogar an einer Sanddüne gescheitert und die Mission dadurch beendet worden.

Dies führte dazu, dass der Rover Ende Juni mehrfach sein Tagesziel nicht erreichen konnte, da die automatische Problemerkennung die Fahrt wegen Überschreitung der Sicherheitsparameter vorzeitig beendete. So fand die bisher letzte Tagesetappe von 116 m an Sol 671 statt, dem 26. Juni 2014. Auch an Sol 672 schaffte man noch 81 m. Danach brachen dann mehrere Fahrten wegen Überschreitung der Sicherheitsparameter vorzeitig ab, entweder wegen zu starken Schlupfs der Räder, oder aber wegen zu großen Steinen im Fahrweg.

Die seit einiger Zeit stattfindenden periodischen Raduntersuchungen zeigten weiterhin starken Verschleiß an den Aluminiumrädern, hervorgerufen durch Steine und spitze Felsbrocken. Diese Beschädigungen machten eine Kursänderung notwendig, um in weniger steinübersähten Bereichen fahren zu können. Sandige Dünenstrecken kamen dabei wie gerufen. Außerdem nutzte man die Dünenstrecken, um weiter Erfahrungen mit den Fahreigenschaften des Rovers bei Dünenüberquerungen zu sammeln. 

Die Kursänderungen führten dazu, dass man den eigentlich angesteuerten letzzten Wegepunkt ("Waypoint 4", auch "FC_9" genannt) nicht mehr erreichen konnte. Er wurde weggelassen, siehe auch die Abbildung 2 auf der vorhergehenden Seite. Der Weg führte nun in einem leichten Bogen an einen etwas anderen Einstiegspunkt in die "Murray Buttes" am Fuße des Aeolis Mons.

Die Fahrten bis Sol 685 (10. Juli 2014) zeigen die nebenstehenden Karten von Phil Stooke bei UMSF. Curiosity befindet sich auf einem Südkurs im Quadranten "Shoshone" und durchquert ein Dünengebiet. Es finden Messungen zu den Fahreigenschaften bei der Dünenquerung statt, die den schnellen Vormarsch etwas verlangsamen.

Die Beschädigungen an den Rädern sind bisher nicht bedrohlich, sie werden jedoch mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Rover führt dazu bei periodischen Stopps Messungen an allen Rädern durch. Ein Artikel bei Space.dom befasst sich mit den Bedenken und Erwägungen der Verantwortlichen. Eine Hauptbefürchtung ist, dass sich Teile der Räder ablösen und mit ihren scharfen Kanten die freiliegenden Kabel des Fahrwerks beschädigen könnten.

Hier ist das Ergebnis eines solchen Rädertests von Sol 679, dem 4. Juli 2014. Es zeigt teilweise große Löcher und Einkerbungen besonders an den Vorder- und den Mittelrädern:
 
Sol 679 Vorderrad Sol 679 Vorderrad
Abb. 2 a,b: Beschädigungsuntersuchung am rechten Vorderrad
rechtes Hinterrad an Sol 679 Sol 679 rechtes Mittelrad
Abb, 3a,b: rechtes Hinterrad (links) und Mittelrad (rechts)

Einen Eindruck der Umgebung um Sol 670-690 herum geben die folgenden Panoramaaufnahmen:

MastCam-Panorama an Sol 676
Abb. 4: MastCam-Teilpanorama von Sol 676, dem 1. Juli 2014
 
Lasertreffer an Sol 687
Abb. 5: Sol 687 Laserbeschuß eines Felsbrockens.
An Sol 687, dem 13. Juli 2014, gab es ein außergewöhnliches Foto. Curiosity filmte den ChemCam - Laserbeschuß eines Felsbrockens mit der MAHLI-Kamera aus nächster Nähe.. Aufgrund der sehr viel geringeren Atmosphärendichte ist die Plasmawolke des verdampfenden Gesteins an der Trefferstelle sehr viel größer und länger anhaltend als es auf der Erde der Fall wäre. Die Fotosession fand an diesem Sol um 13:54 Uhr Ortszeit statt. Alle Fotos wurden sehr schnell hintereinander zu genau diesem Zeitpunkt aufgenommen.

Die Sequenz läuzft im Endlosstreifen ab. Man sieht deutlich nach dem Verschwinden der Plasmawolke, dass sich das Gestein an der Trefferstelle verändert hat. Der Bereich rund um das Einschußloch ist dunkler geworden.

Das ChemCam-Instrument ist ein Spiegelteleskop im oberen Bereich des Hauptmastes. Mit einem zum Meßinstrument gehörenden Laser werden die Trefferstellen durch die gebündelte Auftreffenergie des Lasers verdampft. Es entsteht dabei eine Plasmawolke aus gasförmigem Gestein, dessen Absorptionsspektrum das ChemCam-Teleskop messen kann. Mit der ChemCam kann man so auch aus größerer Entfernung die Zusammensetzung des Gesteins an der Trefferstelle bestimmen.
 
Sol 689
Abb. 6: Sol 689 (15. Juli 2014) - Das Gelände voraus wird wieder steiniger. Dies ist schlecht für die Räder.

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