Auf nach Süden

Der fünfte Marswinter war für Opportunity vorbei und der Rover hatte ihn mit Bravour überstanden. Nicht zuletzt wegen eines unerwartet am Rande von Solander Point an seinem Überwinterungsort an der Murray Ridge wehenden starken Windes, der die staubbedeckten Solarpaneele des Rovers optimal blankgefegt hatte. Hier ein Bild der Solarpaneele des Rovers aus dem April 2014, die fast schon wieder fabrikneues Aussehen haben:
 
Selbstbildnis März 2014 Selbstbildnis Sol 3713
Abb. 1a,b: Selbstbildnis des Rovers vom März 2014 (Quelle Bild 1a (links): NASA Planetary Database, Bild 1b (rechts): Autor)

Damit war Opportunity wieder voll arbeitsfähig und die Entdeckungsreise konnte Weitergehen. Von seinem Überwinterungsort auf Solander Point wurde die Reise weiter nach Süden in Richtung auf Cape Tribulation fortgesetzt (Übersichtsbild siehe hier mit der zugehörigen Webseite).
 
Eine Animation zeigt die Fahrten des Rovers aus Sicht der hinteren HazCam zwischen den Sols 3630 und 3637, mit der sich Opportunity von Westrand von Solander Point wieder langsam auf den Höhenkamm vorgearbeitet hatte:
 
Fahrten an Sol 3630-3637
Abb. 2: Animation der Fahrten von Sol 3630-3637 hoch auf den Kamm von Solander Point

Opportunity hatte zu dieser Zeit einen höhergelegenen Punkt auf Solander Point erreicht, von dem aus eine tolle Rundumsicht herrschte. Die folgenden Bilder geben einen Eindruck davon:
 
Sol 3633 Endeavour und Cape York
Abb. 3: Sol 3633: Der Blick geht nach Norden und Osten. Man sieht links Cape York am Horizont, von dem aus Opportunity über die Botany Bay nach Solander Point gelangt ist. Rechts geht der Blick hinein in den Endeavour-Krater mit einer tollen Sicht auf dem östlichen Kraterrand.
Sol 3637 PanCam
Abb. 4: Blick an Sol 3637 nach Süden und Westen. Hinter der voraus liegenden Spitze von Solander Point lugt bereits das nächste Ziel, Cape Tribulation, hervor.
Sol 3637 PanCam
Abb. 5: immer noch Sol 3637. Falschfarbenblick nach Süden und Südosten auf Cape Tribulation und dahinter in der Ferne Cape Byron.

Die Weiterschreibung der täglichen Energiemengen für Opportunity zeigt die folgende Tabelle. Dabei gilt: je größer der τ - Wert, desto schlechter, dunkler und negativer sind die Lichtverhältnisse für den auf Sonnenlicht angewiesenen Rover. Die Lichtdurchlässigkeit der Solarpaneele wird hauptsächlich durch auf ihnen abgelagerten Staub aus der Luft bestimmt. Alles über etwa 360 Wh/Sol ist optimal für die Energieversorgung von Opportunity und erlaubt volle Aktivität:
 
  τ - Wert Änderung Wh/Sol Lichtdurchlässigkeit Paneele Fahrstrecke
Sol 3602 (12. März 2014) 0.446 + 498 69.4 % 38760 m
Sol 3609 (19. März 2014) 0.450 - 574  77.7 % 38790 m
Sol 3621 (01. April 2014) 0.430 + 661 87.0 %  
Sol 3628 (08. April 2014) 0.423 + 642 84.3 % 38910 m
Sol 3635 (15. April 2014) 0.413 + 622 83.1 % 38940 m
Sol 3643 (23. April 2014) 0.273 ++ 658 81.7 % 39140 m

Der Stromverbrauch beim Drehen des rechten Vorderrades, der schon in der Vergangenheit mehrfach Anlass zur Sorge gab, ist wieder etwas angestiegen. Dies bedeutet, daß der Aktuator für die Drehung das Rad gegen einen stärkeren Widerstand drehen muß. Ein deutliches Zeichen für fortschreitende Abnutzung der Bewegungskomponenten. Als Gegenmaßnahme wurde wegen der aktuell guten Energieversorgung die Heizung des Aktuators auch bei Stillstand des Rovers während der aktuellen Fotosessions von Cape Tribulation weiter betrieben.

Bereits seit dem 17. April 2005 streikt der Servermotor für die Steuerung des rechten Vorderrades (siehe auch hier) in einer Stellung von 8° nach links, sodass bei Vorwärts-Geradeausfahrten eine unerwünschte Scherkraft auf die Achse des rechten Vorderrades ausgeübt wird. Dies führt im Laufe der Zeit zu vermehrtem Verschleiß des Achslagers. Um dies zu vermeiden, bewegt sich Opportunity deshalb häufig im Rückwärtsgang, was eine genau entgegengesetzte Kraft ausübt und zeitweise für eine Beruhigung des Radlagers sorgt. Allerdings stört beim Rückwärtsfahren die Low Gain-Antenne die Sicht nach hinten und beeinträchtigt die autonome Fahrsoftware, die zur Gefahrenerkennung ein freies Sichtfeld nach hinten benötigt. Daher ist permanentes Rückwärtsfahren auch keine Lösung.

Der angestrebte Bereich mit den aus dem Orbit detektierten Lehmmineralien liegt auf Cape Tribulation noch einige hundert Meter weitter südlich und Opportunity wird noch einige Zeit brauchen, diesen zu erreichen. Zunächst wurde also bis auf weiteres wieder rückwärts gefahren.

Sol 3641 Navigationskamera
Abb 6: weiter nach Süden bergauf: Navigationskamera, Sol 3641 (21.April 2014)
Sol 3640 NavCam Sol 3642
Abb 7: wolkiger Himmel an Sol 3640 Abb. 8: Blick zurück aus der hinteren HazCam an Sol 3642
Sol 3643 NavCam
Abb. 9: Navigationskamera, Sol 3642. Ein kleiner Krater mit Namen "X15" wird passiert. Nach diesem Sol ging es weitere 44m in Richtung Süden zum Rand von Solander Point.

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