Dingo Gap

Auf dem Weg nach Südwesten näherte sich das Science Laboratory Ende Januar 2014 an Sol 520 einer Abbruchkante im Gelände, die leicht bergab gehend zur Basis von Aeolis Mons führte. Anstatt wie zunächst beabsichtigt, die Abbruchkante durch einen kleinen Umweg in Richtung Süden zu umfahren, machte sich das Mars Science Laboratory an Sol 521 tatsächlich daran, das Felsentor namens "Dingo Gap" auf direktem Wege westwärts zu durchfahren, das einen natürlichen Übergang in einen tiefer gelegenen Bereich des Gale-Kraters darstellt. 
 
Dingo Gap an Sol 517
Abb. 1: Die "Dingo Gap" gesehen aus der Position von Sol 517, dem 19. Januar 2014. Es handelt sich um einen leicht abwärts führenden Felsendurchgang in das voraus liegende, tiefere Gelände, ähnlich einem kleinen Hohlweg auf der Erde. Mitten in der Dingo Gap befindet sich eine Sanddüne, die vom Rover überwunden werden muss.

Die Durchfahrt durch ein natürliches Felsentor stellte ein Novum dar, insbesonders dadurch interessant, dass zum ersten Mal in der Fahrt von Curiosity auf dem Mars eine Sanddüne überwunden werden musste, die direkt auf der Abbruchkante des Felsentores lag. Wie in der Abb. 1 ersichtlich, geht das Gelände hinter der Dingo Gap leicht bergab. Dies sollte allerdings für den Rover kein Problem darstellen, denn sowohl die Fahrt durch ein Sanddünenfeld als auch die Bewegung bergauf und bergab waren auf der Erde eingehend getestet worden.
 
Sol 522 Dingo Gap
Abb. 2: Die Dingo Gap an Sol 522, dem 24. Januar 2014, als Curiosity bereits von seinem Südkurs abgewichen war und direkt nordwestlich auf die Dingo Gap zuhielt. Der Rover näherte sich dem Felsabbruch von links kommend. Es versprach, spannend zu werden ...
Sol 524 NavCam
Abb. 3: Dingo Gap voraus an Sol 524 (26. Januar 2014) aus Sicht der Navigationskamera - ein fantastisches Szenario. Curiosity ist an diesem Sol um 28 m näher an die Abbruchkante herangefahren. Die beiden seitlichen Begrenzungen stehen etwa 1 m über dem Boden heraus. Wenn Curiosity dort hindurchfährt, schaut die Mastkamera ohne Probleme wie ein Periskop über die Begrenzungen hinaus. Die Navigationskamera kann nicht wie die Mastkamera zoomen, daher  zeigt sie die wahren Größenverhältnisse besser als die gezoomten Bilder der MastCam.
Wegstrecke bis Sol 524
Abb. 4: Wegstrecke bis Sol 527 (Quelle: Phil Stooke von UMSF). Curiosity ist an Sol 527 noch etwa 20 m von der Passage durch die Dingo Gap entfernt.
Sol 524 MastCam
Abb. 5: Dingo Gap an Sol 524 durch die linke Mastkamera gesehen. Die Sanddüne im Inneren des Tores sieht herausfordernd aus. Curiosity wird an Sol 526 noch etwa 20 m näher rollen und erst dann wird entschieden, ob die Durchfahrt ausgeführt wird oder nicht.
Sol 524 MastCam
Abb. 6: ... links von der Dingo Gap ist bei der aufsteigenden Rampe noch Platz frei für eine nervenschonendere Fahrt ... Der Autor glaubt nicht, dass Curiosity direkt durch die Düne pflügen wird ...
Sol 526 MastCam
Abb. 7: Sol 526. Foto der MastCam. Das Gelände direkt hinter der Düne ist noch nicht einsehbar, was ein Problem für die Abschätzung der möglichen Gefahren der Dünenpassage ist.
Sol 527
Abb. 8: Nach einer weiteren Fahrt von knapp 30 m Länge stand Curiosity an Sol 527, dem 29. Januar 2014, direkt vor dem Felsendurchgang. Hier das Bild der Navigationskamera. Jetzt mußte entschieden werden: entweder frontal über die Düne oder links den Abhang hinauf.
Sol 527
Abb. 9: Sol 527, 20 m vor der Düne. Langsam wird das Gelände unmittelbar hinter dem Sandwall sichtbar. Irgendwie sieht die Passage gefährlich aus ...

An Sol 527, dem 29. Januar 2014, war es soweit: Curiosity erreichte den Fuß der Düne im Felsendurchgang Dingo Gap. Die Verantwortlichen entschlossen sich tatsächlich, die Düne frontal zu passieren. Als einer der Gründe für diesen außergewöhnlichen Kurs wurde das für die Räder zu rauhe Terrain links und rechts von Dingo Gap genannt. Man war offenbar zur der Ansicht gelangt, dass die Aluminiumräder etwas geschont werden und ein Weg ohne allzu spitze Steine gefunden werden musste. Das Gestein in dieser Region des Weges von Curiosity hatte den Rädern schon erheblich zugestzt (marspages.eu berichtete) und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Weg zum Primärziel bisher nur zur Hälfte zurückgelegt war.

Sol 527 MastCam
Abb. 10: Sol 527, MastCam. Curiositys Kameras konnten zum ersten Mal über die Düne hinwegsehen. Es zeigte sich eine eindrucksvolle Formation eines Hohlweges.
Sol 528 NavCam
Abb. 11: An Sol 528 berührte der Rover zum ersten Mal die Düne. Auf der linken Seite des Durchganges sieht das Gelände problemlos aus. Sollte kein Problem für die Weiterfahrt sein. Aber erst muß die Düne überwunden werden ...
Sol 528
Abb. 12: ... dazu wurde zunächst an Sol 528 (30. Januar 2014) die Konsistenz der Düne getestet. Curiosity bewegte sich erst einmal nur mit den rechten Rädern hinauf auf die Düne.
Sol 528 HazCam
Abb. 13: ... und das Ganze noch einmal aus Sicht der vorderen HazCam.

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