Weg zu Waypoint 2

Curiosity hielt sich mit der Untersuchung des Gebietes am "Waypoint 1", genannt "Darwin", nur 10 Sols auf. Die Zeit drängte, denn der Rover sollte bis zum Ende der Primärmission im August 2014 auf jeden Fall den Fuß von Aeolis Mons erreicht haben. Dieser war noch über 6 km entfernt. Komet "Siding Spring (2013 A1)" würde am 19. Oktober 2014 um 19:32 Uhr MEZ ±12 Minuten den Mars in nur etwa 134.000 km passieren (marspages.eu berichtete, ebenfalls hier und hier) und der Planet dabei in die Koma von Siding Spring getaucht werden - mit allen Unwägbarkeiten für die Raumschiffe um und auf dem Mars, bis hin zur möglichen Beschädigung oder Vernichtung. Daher mussten bis dahin die Primärmissionziele alle erreicht sein.
 
Übersichtskarte
Abb. 1: Übersichtskarte des bisherigen Gesamtweges von Curiosity und dem bevorstehenden Weg zwischen den Waypoints 1 und 2 (Quelle: Phil Stooke, University of Ontario).

Nach Messung der Gegend um Darwin mit den Bordinstrumenten APXS, MAHLI und ChemCam brach Curiosity bereits am 22. September 2013 an Sol 401 wieder auf. Der nächste Halt würde "Waypoint2" in etwas mehr als einen Kilometer Entfernung von Waypoint 1 sein. Die Detailkarte des bis zum Sol 409 zurückgelegten Weges zeigt die folgende Karte:
 
Karte bis Sol 409
Abb. 2: Detailkarte des bis einschliesslich Sol 409 (30. September 2013) zurückgelegten Weges (Quelle: Phil Stooke bei UMSF)

Curiosity bereitete sich genau wie die anderen Raumschiffe am Mars auf die Sichtung von Komet ISON (== 2012 S1) vor, der den Mars am 2. Oktober 2013 in 10.8 Mio km Entfernung passierte. Dies entsprach Sol 411 von Curiosity auf dem Mars. Erste Versuche in den vorangegangenen Sols waren leider nicht sehr erfolgreich (marspages.eu berichtete), weil die Kamerasysteme an Bord des Rovers nicht für diese Art von astronomischen Aufnahmen gebaut waren.

Einige Impressionen entlang des Weges zwischen den Sols 400 und 409:
 
Sol 404 MastCam
Abb. 3: Ausschnitt aus dem Panorama der MastKamera von Sol 404. Besonders beeindruckend sind die Berge im Hintergrund in südlicher Richtung vom Roverstandort.
Sol 406 Mastkamera
Abb. 4: Ausschnitt des Mastkamera-Panoramas am Ende von Sol 406. Der Blick geht nach Südwesten auf das noch ferne Ziel des Rovers.
 
Fahrt an Sol 406
Abb. 5: Film der Fahrt an Sol 406 aus Sicht der Navigationskamera. Der Blick geht voraus über den verstauten Instrumentenarm hinweg.
Curiosity fuhr meist im autonomen Modus, d.h. suchte sich den Weg selbst. Dadurch wurde die Fahrt nicht geradlinig geradeaus, sondern umfasste Richtungsänderungen nach jedem Teilabschnitt, abhängig von den Aufnahmen der Navigationskamera und der Auswertung dieser Aufnahmen durch die Navigationssoftware. Gefahren wurde immer über Mittag lokaler Zeit, da es dann am wärmsten und die Vorwärmung der für die Fahrt gebrauchten und bewegten Teile des Rovers am wenigsten energiefressend war. Siehe nebenstehenden Film der Fahrt von Sol 406 aus Sicht der rechten Navigationskamera.

Die Wegstrecke an Sol 406 bedeutete das Überschreiten der 3 km-Marke des zurückgelegten Wegses seit der Landung. Während sich in der ersten Phase der Mission bis Glenelg nur sehr wenig bewegt wurde, war dies seit dem Aufbruch von Glenelg deutlich anders geworden. Die pro Sol zurückgelegten Wegstrecken waren immer zwischen 50 und 100m, der Rekord an einem Sol waren 138,62m an Sol 385. Zum Vergleich: der Weg zwischen den Haltepunkten bei Sol 406 und Sol 409 waren 68 m.

Der insgesamt zurückgelegte Weg bis zum Ende des Sol 409 (== 30. September 2013 auf Terra und 60. Januar 32 auf dem Mars) betrug 3.123 m. Am 2. Oktober 2013 auf der Erde begann auf dem Mars der 1. Februar 32 (Datumskonvention auf dem Mars siehe hier).

Weitere Impressionen der Fahrt:
 
Sol 409 Navigationskamera
Abb. 6: Blick der Navigationskamera am Abend von Sol 409 in westlicher Richtung gegen die untergehende Sonne. Der westliche Rand des Gale-Kraters mit seinem Randbergen tritt hier im Gegenlicht besonders plastisch hervor.
Sol 409 MastCam
Abb. 7: Sol 409 Ausschnitt des Mastkamera-Panoramas vom Abend dieses Sols. Der Blick geht nach Südosten in Zielrichtung.
Sol 409 MastCam
Abb. 8: ... und ein weiterer Ausschnitt des Sol 409-Panoramas, diesmal in Richtung Nordwest

Wie schon auch Marysrover Opportunity (Details siehe auf dieser Seite) zwei Erdtage vorher versuchte auch Curiosity an Sol 408, dies entsprach dem 59. Januar 32 auf dem Mars und dem 29. September 2013 auf der Erde, den Kometen ISON zu fotografieren. Die folgenden beiden Animationen zeigen das Ergebnis dieses Versuches:

Sol 408 ISON Versuch Sol 408 ISON Versuch
Abb. 9a,b: Die beiden Bilder zeigen die Animationen von jeweils vier Aufnahmen, gemacht mit kürzerer (links) und längerer (rechts) Belichtungszeit in der Nacht des Sol 408. Durch Klicken auf die Bilder erhält man eine vergrößerte Aufnahme, die mehr Details zeigt. Die Hintergrundsterne sind als senkrechte Streifen sichtbar, verursacht durch die längere Belichtungszeit. Im Vergleich zu Opportunity sind die Aufnahmen sehr viel hochaufgelöster, sie zeigen allerdings auch keine Spur eines Kometen.
Allerdings sind besonders in der rechten Animation mit längerer Belichtungszeit im unteren Bereich von rechts nach links vorbeifliegende Objekte in großer Zahl zu sehen. Diese sind auch in der kürzer belichteten Aufnahme links sichtbar.  Hierbei könnte es sich nach Meinung des Autors um einen Meteoritenschwarm handeln. Die streifigen Objekte sehen nicht wie kosmische Strahlungstreffer auf dem Kamerachip aus, siehe auch hier als Vergleich die Aufnahmen von Opportunity ...

An Sol 411, dem 2. Oktober 2013, gab es mal wieder einen Blick auf Curiositys Räder. Die sehen mittlerweile nach etwas mehr als drei Kilometern Fahrt recht zerbeult aus:
 
Räder rechts an Sol 411 Räder links an Sol 411
Abb. 10a,b: Blick mit der MAHLI-Kamera an Sol 411 auf die Aluminiumräder des Rovers. Besonders in der vergrößerten Ansicht (Klicken auf das jeweilige Bild) sieht man, dass sie bereits recht verbeult sind.
Loch in Rad links vorne
Abb. 11: ... und nicht nur verbeult. Die vergrößerte Abbildung eines Abschnittes der Abb. 10b zeigt, dass das linke Vorderrad bereits ein formidables Loch aufweist. Das Aluminium zwischen den Profilriffeln ist halt recht dünn. Laut Aussage der Verantwortlichen sei das aber kein Problem.
MAHLI Sols 410 - 417
Abb12: Animation der MAHLI-Aufnahmen am Ende des jeweiligen Sols mit Blick nach hinten.

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