Zweite Bohrung bei John Klein

Nachdem an Sol 180 die erste noch vorsichtige Bohrung in das Gestein bei "John Klein" nur zwei Zentimeter tief erfolgt war, wurde unmittelbar danach direkt neben dem ersten die zweite Bohrung angelegt. Diesmal mit der maximal möglichen Tiefe von 6.5 Zentimetern. Die folgenden Bilder zeigen die Ergebnisse:
 
Instrumentenarmbewegungen an Sol 181 und 182
Abb. 1: Bewegungen des Instrumentenarms an den Sols 181 und 182. Die Sequenz beginnt mit dem morgendlichen Blick an Sol 181 für 5s Dauer. Die nächste 5s Pause steht für das Ende des Sols 181 mit dem auf die Oberfläche abgesenkten APX-Spektrometer, danach folgen die Aktivitäten von Sol 182.  Am Ende von Sol 182 nimmt das MAHLI des Instrumentenarmes die folgenden Bilder auf.
Zweites Bohrloch Sol 182
Abb. 2: Zoom der MAHLI-Kamera auf das zweite Bohrloch, das unmittelbar neben dem dem vor zwei Sols gemachten Bohrung positioniert worden ist. Sein Durchmesser ist 1.6 cm.
Zweites Bohroch Sol 182
Abb. 3: Hochauflösungsaufnahme der MAHLI-Kamera des zweiten Bohrliches am Ende der Aktivitäten von Sol 182.
Blick der MastCam an Sol 182
Abb. 4: Blick der MastCam auf das Bohrgebiet bei John Klein an Sol 182.
Sol 183
Abb. 5: Zoom der MastCam an Sol 183. Die querliegende Punktereihe zwischen beiden Bohrlöchern sind die Einschußlöcher des ChemCam-Lasers. Mit seiner Hilfe wurde die Zusammensetzung des Bohrstaubes bestimmt.
ChemCam Einschußlöcher
Abb. 6: Sicht des Zielobjektivs des ChemCam-Lasers auf das Analysengebiet des Sol 183 oberhalb des zweiten Bohrloches.  Die Zusammensetzung des pulverförmige Aushubs wurde auf diese Weise bestimmt.

Während der Bohrarbeiten fotografierte Curiosity zwischen den Sols 172 bis 186 die Umgebung hochaufgelöst mit seiner 100 mm Mastkamera. Das daraus erzeugte Panoramabild besteht aus 531 Einzelbildern von jeweils 1408 x 2000 Pixeln. Diese Menge an Daten lässt sich mit den normalen Möglichkeiten einer Webseite nicht mehr vernünftig darstellen, ohne die Menge an Einzelinformationen zu reduzieren. Daher ist im Foilgenden nur ein Bild zum Anklicken eingebaut. Dieses führt auf eine GigaPan-Seite des UMSF-Mitglieds Impreprex, auf der die Fülle der Einzelinformationen interaktiv betrachtet werden kann:
 
Sol 172-186 Panorama bei Gigapan.com
Abb. 7: Panorama der Sols 172-186 des Benutzers Impreprex von UMSF bei gigapan.com

Laut Aussage der Projektverantwortlichen war beabsichtigt, nun zunächst die Einfüllapparatur mit dem Bohrstaub von Loch 2 durchzuspülen, bevor danach eine Probe im bordeigenen Analysenlabor, im SAM, untersucht werden würde. Da das SAM ein großer Energiefresser ist und das bordeigene Atomkraftwerk nur etwa 150 Watt Energie produzieren konnte, würde Curiosity während dieser Zeit an seinem momentanen Ort in der Yellowknife Bay gefesselt bleiben. Wahrscheinlich sogar bis nach der solaren Konjunktion im April 2013.

Daher hatte man nun neben den Arbeiten mit dem Instrumentenarm eiwas Zeit, weitere Panoramafotos aufzunehmen. Hier dazu ein weiter Blick zum Nordhorizont auf den 20 km entfernten Nordrand des Gale Kraters:
 
Sol 188. Blick auf den Nordhorizont
Abb. 8: Blick auf den Nordhorizont an Sol 188, dem 15. Februar 2013 Erd- und 38. September 31 Marszeit.
Sol 188. Nordhorizont
Abb. 9: vergrößerter Ausschnitt aus Abb. 8. Der nördliche Kraterrand des Gale Kraters bietet ein eindrucksvolles Bild.

An Sol 193 war der Aushub der zweiten Bohrung in die CHIMRA-Schaufel eingebracht. Obwohl die Oberfläche des Mars rot ist, besteht an dieser Stelle das Felsenmaterial aus einer grauen Substanz. Dies läßt darauf schließen, daß die Oberfläche des Planeten nur dünn mit einer Schicht aus rotem Rost bedeckt ist:
 
Sol 193 Bohrstaub in der Schaufel
Abb. 10: Sol 193. Der graue Aushub der Bohrung befindet sich in der Schaufel des CHIMRA, von wo aus nach einigen Probenvorbereitungsschritten die bordeigenen Analysenlabore zur Analyse bestückt werden.

Hier ist ein Link zu einer interaktiven 360°- Aufnahme des Panoramas um Curiosity an Sol 177 von Andrew Bodrov - Sehr empfehlenswert !: http://www.360cities.net/image/mars-panorama-curiosity-solar-day-177.

Während der Analyse der Bohrprobe in den bordeigenen Analysensysteme stand Curiosity still. Besonders im SAM, dem Röntgenfloureszenzspektrometer, mußte sich wegen der nur beschränkt verfügbaren Energie auf die eigentliche Messung konzentriert werden.So vergingen einige Sols.

An Sol 200, dem 27. Februar 2013, gab es ein Problem mit dem Computerspeicher. Ein Speichervorgang konnte nicht abgeschlossen werden, und das Überwachungssystem stornierte zunächst alle weiteren Aktivitäten für Sol 201 und folgende Sols. Der übliche Fehlerbehebungsprozess startete, und die geplanten Aktivitäten für die Folgesols wurden abgesagt.

Da Curiosity wie alle Raumschiffe der NASA mit zwei identischen Hauptcomputern ausgestattet ist, beschloß man zur genauen Fehleranalyse zunächst vom fehlerhaften A-System auf das Backup-B-System umzuschalten. Dies geschah am 28. Februar 2013 gegen 11:30 Uhr MEZ. Eine Folge dieser Umschaltung war, dass sich der Rover in den Safe-Mode versetzte, um weitere Beschädigungen zu vermeiden. Damit wurden alle laufenden Programme abgebrochen, die Hauptantenne richtete sich auf die Erde aus und das Raumschiff ging in den Wartemodus für Kommandos von der Erde.

Ab dem 4. März 2013, nach dem Umschalten auf das B-Computersystem, war Curiosity wieder aus dem Safe-Modus heraus. Ursache beim Ausfall des A-Computersystem war offenbar ein Treffer von kosmischer Strahlung im Filesystem des Flash-Hauptspeichers. Die Auswirkungen waren deshalb so schwerwiegend, weil es die Directory-Partition getroffen hatte, in der die Pointer auf die Verweise sämtlicher Dateien der Flashdisk liegen. Durch diesen Treffer waren große Teile des Verzeichnisbaumes im Filesystem zerstört. Die Reparatur ging nur unter Verlust von großen Mengen der gespeicherten Daten vonstatten. Die Verantwortlichen wollten trotzdem aus Redundanzgründen das A-System auf jeden Fall als Backupsystem wiederherstellen.

Dem B-Computer mußten die aktuellen Statusdaten des Rovers neu einprogrammiert werden. Dabei ging es um Dinge wie die aktuelle Position des Instrumentenarmes, Status des Hauptmastes und der Antennen, Positions- und Zustandsdaten der Onboard-Labore usw. Beim Umschaltvorgang auf das B-System, der manuell ausgeführt wurde (werden musste ?), waren all diese Informationen verlorengegangen, da das B-System bis dahin überhaupt noch nichts von der Landung auf dem Mars mitbekommen hatte. Es war bis dahin nur kurz während der Cruise Phase im Weltraum für einige Sols aktiv gewesen.

Außerdem: zum B-Computersystem gehörten eigene Kamerasätze ! Die redundanten Kamerasysteme sind jeweils dem A- oder B-Computer fest zugeordnet. Sie mußten für das B-Computersystem nun erst neu kalibriert und eingerichtet werden. Dies dauerte. Am 16 März 2013 war Curiosity immer noch nicht wieder aktiv.

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