Gipsadern

Nach dem Aufbruch aus Opportunitys Winterquartier bei Greeley Haven beschloß man im Mai 2012, sich die Gipsadern im nördlichen Bereich von Cape York genauer anzusehen. Im November 2011 hatte der Rover eine solche an der Oberfläche austretenden Ader aus reinem CaSO4 namens Homestake bereits passiert (marspages.eu berichtete) und man hatte an der Nordkante von Cape York eine Reihe weiterer solcher Adern entdeckt, die teilweise sogar viel breiter als Homestake waren.

Anfang Juni 2012 (Sol 2969) hatte Opportunity das Operationsgebiet nahezu erreicht, die breitesten Adern lagen noch etwa 20 m nordöstlich voraus. An Sol 2989 hatte der Rover Cape York in Richtung Norden verlassen und befand sich in "Strandnähe" im "Meer":
 
Wegstrecke bis Sol 2989
Abb. 1: Opportunitys Wegstrecke bis Sol 2969, dem 31. Mai 2012. Die Gipsadern lagen noch etwa 20 m Richtung Nordost voraus. Sol 2989, der 21. Juni 2012 sah Opportunity wieder im offenen Gelände nördlich von Cape York.

An Sol 2969 wurden die ersten Gipsadern sichtbar:

Blick zurück auf Greeley Haven
Abb. 2: Sol 2965: Blick zurück auf Greeley Haven, dem Überwinterungsort für fast sechs (Erd-) Monate. Am unteren Rand des Bildes sind die ersten Gipsadern sichtbar.
erste Gipsadern an Sol 2969
Abb. 3: An Sol 2969, dem 30. Mai 2012, waren die ersten Ausläufer der Gipsadern am Nordrand von Cape York erreicht.
Sol 2960 Untersuchungen mit dem Microscopic Imager
Abb. 4: Untersuchungen des Untergrundes an Sol 2965 mit dem Probenarm und dem Microscopic Imager. Man sieht den runden Abdruck des RAT auf dem weichen Boden.

Sol 2967 PanCam-Movie
Abb. 5: Sol 2967: Abfolge von Bodenaufnahmen der Panoramakamera.
Spiel mit Licht und Schatten an Sol 2967, dem 29. Mai 2012. Hier wurden sechs Aufnahmen der gleichen Bodenstelle mit der PanCam um die lokale Mittagszeit herum aufgenommen. Das erste Bild um 11:54 Uhr, das letzte Bild um 11:57 Uhr lokaler Zeit, jeweils mit etwa 30s Abstand voneinander.

Man sieht, wie der Schatten des Rovers auf dem Boden mit der sich bewegenden Sonne langsam weiterwandert. Man sieht auch, wie in Opportunitys diffusem Schattenbereich einige der verschiedenen Bodenstellen mehr oder weniger abgeschattet werden, sodass die einzelnen Steine durch die veränderten Lichtverhältnisse verschieden hell erscheinen.

Bis zum Sol 2971, dem 2. Juni 2012, hatte man sich dazu entschieden, die an Sol 2969 entdeckte Gipsader genauer zu untersuchen. Opportunity fuhr dazu etwa 2m zurück in die Richtung, aus der er gekommen war und hatte danach die Gipsadern namens "Monte Christo" in Reichweite seines Instrumentenarms.

Anmerkung: Der Rover fuhr wie schon die meiste Zeit in den zurückliegenden Monaten rückwärts, um das Radlager des rechten Vorderrades zu schonen. Dieses neigte bei  Vorwärtsfahrten zu einer Erhöhung des Rollwiderstandes und vergrößerte die Gefahr eines Ausfalls, wie es beim Schwesterrover Spirit schon vor Jahren passiert war. Rückwärtsfahrten dagegen zeigten dieses Verhalten nicht oder nur in kleinerem Ausmaß.
 
Gipsader Monte Christo voraus
Abb. 6: Blick aus der vorderen HazCam auf die Gipsader "Monte Christo"  an Sol 2971, dem 2. Juni 2012. Die Gipsbereiche sind in etwa so groß wir die Auflagefläche des Instrumentenarms, sodaß man sich hier unverfälschte Meßergebnisse der Gipsader ohne Störungen durch umliegendes Gestein erhoffte.
Monte Christo in Farbe
Abb. 6: Monte Christo in Falschfarbendarstellung an Sol 2971
Monte Christo im Microscopic Imager
Abb. 7: Monte Christo im Microscopic Imager: reiner Gips

Die aktuellen Energiewerte:

  τ - Wert Änderung Wh/Sol Lichtdurchlässigkeit Paneele Fahrstrecke
Sol 2954 (16. Mai 2012) 0.423 + 359 53.2 % 34380,58 m
Sol 2961 (23. Mai 2012) 0.387 + 395 55.9 % 34380,58 m
Sol 2968 (30. Mai 2012) 0.413 - 345 53.8 % 34456,53 m
Sol 2974 (05. Juni 2012) 0.364 + 369 56.2 % 34469,86 m
Sol 2977 (08. Juni 2012) 0.338 + 388 56.7 % 34469,86 m
Sol 2989 (20. Juni 2012) 0.229 + 526 68.4 % 34491,99 m
Sol 2995 (27. Juni 2012) 0.330 - 559 69.8 % 34491,99 m
Sol 3001 (03. Juli 2012) 0.346 - 557 70.5 % 34491,99 m

Monte Christo komplett
Abb. 8: die komplette Gipsader Monte Christo in einer Falschfarbenaufnahme von Sol 2971

Wegen eines vorübergehenden Ausfalls des Relayorbiters Mars Odyssey (marspages.eu berichtete), über den mehr als 98 % aller Kommunikation zwischen Opportunity und Erde abgewickelt wurde, war ab Sol 2976, dem 8. Juni 2012, nur eine eingeschränkte Verbindung von der Erde aus mit dem Rover möglich. Daher konnten bis zur Wiederherstellung des Orbiters nur sehr wenige Daten von Opportunity zur Erde übertragen werden und die Bildausbeute nahm rapide ab. Mars Reconnaissance Orbiter war nur beschränkt als Ersatz für Mars Odyssey einsetzbar, da dessen Überfluggeometrie über den Standort des Rovers ungünstig war und nur sehr langsame Übertragungsbandbreiten ermöglichte. Nur zweimal pro Woche war eine etwas schnellere UHF-Datenübertragungsmöglichkeit vorhanden. Um die Datenübertragung mit MRO soweit als möglich zu optimieren, versetzte man Opportunity in den "Low Bandwidth"-Modus, was aber keine wirkliche Lösung war. Die Übertragung der äußerst wichtigen Telemetriedaten des Rovers geschah deshalb auch über die ungerichtete Low-Gain Antenne des Rovers direkt mit der Erde. Auch hier waren die erzielbaren Bandbreiten mehr als dürftig und Opportunitys Aktivitäten damit insgesamt stark behindert.

Trotzdem fuhr der Rover an Sol 2981 wieder weiter und erreichte an Sol 2982 am 14. Juni 2012 nach einer 17 m-Fahrt in Richtung Norden den Rand von Cape York:

Sol 2982: Opportunity am Nordrand von Cape York
Abb. 9: Nach einer 17 m Fahrt in Richtung Norden erreichte Opportunity an Sol 2982 die nördliche Abbruchkante von Cape York. Der Blick in diesem Bild geht nach Osten entlang des Randes
Sol 2989 NavCam - Panorama
Abb. 10: An Sol 2989 (21. Juni 2012) hatte Opportunity die "Insel" Cape York in Richtung Norden verlassen und befand sich wieder im "Meer". Der Blick geht entlang der "Küstenlinie" am Nordrand von Cape York nach Osten.
SWol 2989 Panorama Richtung Westen
Abb. 11: Sol 2989 NavCam-Panorama in der entgegengesetzten Richtung nach Westen
Grasberg1 Falschfarbenbild Grasberg1, MI-Aufnahme
Grasberg1 nach RAT-Behandlung
Abb.12: Untersuchung des Ziels "Grasberg1", eine kleine, von Gipsadern durchzogene Felsplatte, Ende Juni 2012. Oben links, das Falschfarbenbild nach der Reinigung mit der Bürste des Probenarms. Rechts die danach aufgenommene Mikroskopaufnahme der Oberfläche des gereinigten Bereiches. Links unten das Ergebnis des Fräsens dieses Bereiches mit dem Rock Abrasion Tool (RAT) an Sol 2998


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