Suche nach Mars 6 Landeplatz

Im Wettlauf zum Mars zwischen der Sowjetunion und den USA hatte in den späten 60er und den frühen 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts die damalige Sowjetunion einige Erfolge aufzuweisen, bevor dann die USA mit der Landung der beiden Viking-Raumschiffen im Jahr 1976 die Vormachtstellung in der Marsforschung für sich beanspruchen konnte. 

Nichtsdestotrotz gelang der Sowjetunion mit Mars 3 als erstem menschengemachten Raumschiff eine erfolgreiche Landung auf dem Mars am 02. Dezember 1971, fünf Jahre vor den beiden Viking-Sonden der USA (marspages.eu berichtete). Leider herrschte bei der Landung ein heftiger Staubsturm und vermutlich deswegen brach die Kommunikationsverbindung zum Raumschiff während der Übertragung des ersten Bildes von der Oberfläche ab und konnte nicht wieder aufgebaut werden. Damit war diese Landemission gescheitert. Der zugehörige Orbiter funktionierte aber weiter und lieferte Bilder und Daten aus dem Marsorbit.
 
Mars 3 Lander
Mars 3 Lander
Neben Mars 3 gab es weitere erfolgreiche Landungen der Sowjetunion, so z.B. von Mars 6 am 12. März 1974 bei 23,2° Süd / 19,25° West. Die beiden Orbiter Mars 4 und 5 sowie die beiden Lander Mars 6 und 7 sollten der Sowjetunion den Ruhm einer Erstlandung auf dem Mars bringen, noch vor den beiden Viking-Raumschiffen der Amerikaner. Die beiden Orbiter scheiterten (Triebwerksausfall bei Mars 4 und deshalb keine Mars-Umlaufbahn, sowie ein Mikrometeoritentreffer bei Mars 5 in einem Drucktank, als das Raumschif sich gerade einige Tage in der Marsumlaufbahn befand). Wegen defekter Transistoren an der gesamten Baureihe von Mars 4 bis Mars 7 verlor man auch sehr bald die Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Lander Mars 7. Er wurde zu früh vom seiner "Bus"-Stufe abgetrennt wurde und flog am Mars vorbei.

Mars 6 machte anfangs ebenfalls Probleme, der Funksender der Transportstufe (der "Bus") fiel aus und das Raumschiff blieb stumm, konnte allerdings weiter Kommandos von der Erde erhalten. Der Lander wurde von der stummen "Bus"-Stufe automatisch am 12. März 1974 abgetrennt. Er lieferte Daten bis zum Aufsetzen bei 19.25° W und 23.2° S, verstummte dann jedoch. Die Daten zeigten, das der Lander sehr stark an seinem Fallschirm hin und her schwang. Die Geschwindigkeit vor Zündung der Brems-Raketentriebwerke betrug 61 m/s und lag innerhalb der Toleranzen. Eventuell ist er auf der Oberfläche zerschellt oder bei der Landung umgekippt.
 
vermeintlicher Fallschirm von Mars 6
Ausschnitt der HiRISE-Aufnahme ESP_025387_1555 aus dem Landegebiet von Mars 6 (Quelle: NASA / JPL)

Mit den heutigen Marsorbitern, insbesonders mit der Hirise-Kamera an Bord von Mars Reconnaissance Orbiter, gab es einige Versuche, den relativ genau bekannten Landeort von Mars 3 aus dem Orbit zu fotografieren (marspages.eu berichtete ebenfalls). Alle Versuche blieben bisher mehr oder weniger erfolglos, denn die Hochauflösungskamera an Bord von MRO kann zwar unter Idealbedingungen Bilder bis zu einer Auflösung von 25 cm/Pixel schiessen, aber es fallen dabei große Datenmengen an, deren Auswertung sich entsprechend schwierig gestaltet.

Am 26. Dezember 2011 fotografierte Mars Reconnaissance Orbiter ebenfalls das Landegebiet von Mars 6 und man versuchte, den Lander auf den Bildern zu lokalisieren (NASA-Veröffentlichung siehe hier). Auch hier ist die genaue Analyse sehr schwierig. Die HiRISE-Kamera an Bord von MRO macht Bilder bis zu einer Auflösung von 25 cm/Pixel. Dies bedeutet, dass man nur Gegenstände mit mindestens 50-60 cm auf der Oberfläche erkennen kann (mindestens 2 Pixel Durchmesser). Mars 6, gelandet auf der Oberfläche, hat einen Durchmesser von 1.20 m und sollte deshalb etwa 4 Pixel Durchmesser auf den mit höchster Auflösung gemessenen Bildern haben. Dies ist nahe der Nachweisgrenze. Darüberhinaus sind die Datenmengen riesig. Bei der genannten NASA-Veröffentlichung sind die mit höchster Auflösung veröffentlichten Daten (.jp2) insgesamt fast 800 MByte groß, und es handelt sich nur um einen schmalen Streifen des Landegebietes von Mars 6.
 
vermeintlicher Fallschirm von Mars 6
Ausschnitt aus obiger HiRISE-Aufnahme. Der vermeintlich helle Fallschirm von Mars 6 ist nur eine Stelle mit hellem, freiliegendem Grundgestein.
Man braucht für die Analyse auf jeden Fall das HiView-Programm der Betreiber (Link siehe hier). Alle üblichen Veröffentlichungen und Bilder sind für die optimale Anzeige in einem Webbrowser nachträglich erzeugte Bearbeitungen, deren geringe Auflösung nicht ausreicht, um das Zielobjekt sehen zu können. Da der Lander selbst sehr klein ist, könnte man daran denken, nach dem hellen und großen Fallschirm zu suchen, so wie es die oben genannte NASA-Veröffentlichung nahelegt. Allerdings zeigt sich hier, dass man dabei sehr schnell in die Irre geführt werden kann, denn auch hier sind die Größenverhältnisse anders, als man normalerweise denkt. Der in der Veröffentlichung genannte helle Streifen  ist kein Fallschirm ! Er ist viel zu groß und außerdem ist der ursprünglich weiße Fallschirm im Laufe der letzten 38 Erd- und 19 Marsjahre wahrscheinlich von Staub bedeckt und nicht mehr oder nur noch sehr schwer sichtbar. Die analogen Bedingungen des Phoenix-Landers der NASA zeigen, dass schon nach nur einem weiteren Marswinter der eigentlich helle Fallschirm komplett unsichtbar werden kann (siehe Abbildung 11 auf dieser Seite bei marspages.eu oder das Bild unten auf dieser Seite).

Die Fangemeinde bleibt aufgerufen, nach der Suche von Mars 6 zu helfen ! Laden Sie sich das HiView-Programm herunter und versuchen Sie, die 800 MByte große .jp2-Datei nach Spuren des Landers zu durchsuchen. Aussicht auf Erfolg hat - wenn der Lander denn überhaupt auf dem aufgenommenen Streifen sichtbar ist - nur eine Suche bei einer Vergrößerung von 100% bis eventuell 50% des Originalbildes. Nur dann ist der maximal 4 Pixel große Lander überhaupt zu erkennen.

Sollten Sie den Lander in den Daten finden, dann ist Ihnen ewiger Ruhm sicher ! 
 
Phoenix Backshell
Phoenix Backshell mit Fallschirm im Vergleich zwischen den Jahren 2008 und 2010 nach einem Marswinter. Auffällig ist, dass der Fallschirm komplett unsichtbar geworden ist, d.h. die Witterungsbedingungen haben ihm schwer zugesetzt und er ist vermutlich von Staub bedeckt. Oder aber vom Wind losgerissen und verweht worden !