Loch nahe Pavonis Mons

Loch nahe Pavonis Mons
Foto von MRO aus dem Juli 2011 (Image credit: NASA/JPL/University of Arizona).
Im Juli 2011 fotografierte die HiRISE-Kamera des Orbiters eine schon früher aufgefallene dunkle Stelle in einem eintönigen, sandigen Gebiet nördlich des alten Vulkans Pavonis Mons, dem mittleren der drei Tharsis-Vulkane. Sie erwies sich als ein perfekt rundes Loch im Marsboden mit einer darunter befindlichen Höhle.

In vulkanischen Gebieten gibt es untermarsinanische Lavaröhren, die zu aktiven Zeiten eines Vulkans durch Lavaflüsse entstanden sind. Durch langandauernde höhere Temperaturen verändert sich das Gestein im Grenzgebiet solcher Lavaflüsse und es entstehen relativ feste Röhren, die auch nach Ende der aktiven Zeit eines Vulkans bestehen bleiben. Auf der Erde gibt es sie zu Hunderttausenden und auch auf dem Mond wurden sie bereits nachgewiesen.

Ist das Dach einer solchen Röhre relativ dünn, so kann es nach einiger Zeit einbrechen und es entsteht ein Loch im Boden. In diesem Fall hat es sich nahe dem Vulkan Pavonis Mons unter einer dicken Sandschicht gebildet und der umgebende Sand ist unter Zurücklassung eines perfekten Trichters in das Loch hineingelaufen.

Es wurden bereits mehrere solcher eingebrochenen Lavaröhren auf dem Mars entdeckt (marspages.eu berichtete unter "Löcher und Einbrüche in Arsia Mons"). Darüberhinaus sind auch Löcher entdeckt worden, die nicht aus eingebrochenen Lavaröhren entstanden sind. Eine eigene Seite "Höhlen auf dem Mars" befasst sich auf marspages.eu damit.

 
Lokalisation
Lokalisation des Loches am Nordrand von Pavonis Mons.
Das neu euntdeckte Loch hat ein spektakuläres Aussehen. Es hat etwa 35 m Durchmesser und befindet sich am Grund eines 175 m tiefen Sandtrichters. Anhand des Schattenwurfes am Boden der unter dem Loch befindlichen Höhle kann man die Höhlenhöhe, dessen Deckenausschnitt das Loch bildet,  zu etwa 20 m berechnen. Wehe, wer dort hineinfällt !

Die Höhlenkammer dürfte noch sehr viel tiefer sein, doch ist sie mit Tausenden Kubikmetern Sand gefüllt, die aus dem Trichter  in das Loch hineingelaufen sind. In der Hochauflösungsaufnahme sieht man deutlich auch heute noch herabrieselnden Sand und Felsbrocken in der Trichterneigung.

Ein solches Loch wäre vermutlich der perfekte Wohnort für zukünftige Mars-Raumfahrer. Es schützt sie vor Sandstürmen, Temperatureinflüssen und vor allen Dingen vor der harten Strahlung der Sonne. Der Mars hat kein Magnetfeld, der diese wie auf der Erde von der Oberfläche fernhält.
 
Sandtrichter nahe Pavonis Mons
Sandtrichter nahe Pavonis Mons. Der Sand ist in das darunterliegende Loch einer eingebrochenen Lavaröhre gerieselt und hat einen perfekten Trichter hinterlassen. Das Loch am Boden des Trichters hat 35 m Durchmesser, die darunter befindliche Höhle ist etwa 20 m tief, wie sich aus dem Schattenwurf berechnen lässt (Image credit: NASA/JPL/University of Arizona).

Die Originalveröffentlichung ist hier (HiRise ESP_023531_1840).