Etappenziel für 2010

Der Marsrover Opportunity kam im August/September 2010 gut voran. Nachdem in den letzten Wochen ein Sanddünengebiet mit entsprechender Vorsicht durchquert worden war, hatte der Rover zu Beginn des Monats September 2010 eine Gegend mit freiliegendem, felsigen Grundgestein erreicht und konnte auf ihm wieder größere tägliche Wegstrecken zurücklegen. Das geplante Etappenziel lag allerdings noch ungefähr weitere 3 km voraus: der kleine Krater "Santa Maria".
 
Übersichtskarte des "Santa Maria" Wegstückes
Abb. 1: Übersichtskarte des Wegstückes bis "Santa Maria" (rechts unten). Es ist eine Aufnahme des Rover Operationsgebietes von Mars Reconnaissance Orbiter. Opportunity hatte zu Beginn des Monats September 2010 bis zu Sol 2350 die Position links oben in diesem Bild erreicht. Die Gitternetzlinien entsprechen jeweils 100m. Die helleren Bereiche in der linken Bildhälfte sind Gebiete mit freiliegendem Grundgestein, auf dem der Rover entsprechend schnell vorankommen konnte, die dunkleren Gebiete sind Sanddünenfelder mit verlangsamter Fahrt. Das Bild ist in vergrößerter Ansicht hier anklickbar.

In Sanddünenfeldern konnte Opportunity unter idealen Bedingungen etwa 50-70m pro Sol zurücklegen, in freiliegendem Felsgebiet etwa 80-100m pro Sol. Dies lag an den verschärften Sicherheitsanforderungen bei Fahrten durch Sanddünen, die verhindern sollten, dass sich der Rover festfuhr. Die noch knapp 3 km Fahrtstrecke bis Santa Maria unterteilte sich so in etwa 1.5 km Fahrt durch felsiges Grundgestein in der ersten Hälfte und 1.5 km Fahrt durch Sanndünenfelder in der zweiten Hälfte des Weges. Unter der Annahme der allergünstigsten Bedingungen konnte Opportunity diese Strecke also theoretisch in etwa 45 Sols zurücklegen. In der Praxis waren jedoch durch unvorhersehbare Zwischenfälle und Stopps wegen wissenschaftlicher Untersuchungen interessanter Stellen eher 90-100 Sols realistisch. Als Vergleich: Für den letzten Kilometer nach Ende der energiearmen Winterzeit  im August 2010 brauchte der Rover ungefähr einen Erdmonat, also 30 Sols.

Im Februar 2011 begannen die nächsten solaren Konjunktionen von Mars und Terra, d.h. die Zeit, in der die Sonne genau zwischen Erde und Mars stehen und sämtliche Kommunikation zwischen den Planeten für einige Wochen unmöglich machen würde. Es war also realistisch, anzunehmen, daß Opportunity den Krater Santa Maria bis zu diesem Zeitpunkt erreicht haben könnte, um dort die verbindungsarme Zeit aussitzen zu können. Danach würde dann die nächste Etappe von weiteren 7 km bis zu Cape York am westlichen Rand des Kraters Endevour in Angriff genommen werden.

Der Auftakt Anfang September 2010 für diese Etappe war jedenfalls vielversprechend. Opportunity legte zu diesem Zeitpunkt an Sol 2353, dem 6. September 2010, eine Strecke von 110m in einem Sol zurück:
 
Wegstrecke bis Sol 2353
Abb. 2: Opportunitys zurückgelegte Wegstrecke seit "Cambridge Bay" bis Sol 2353, dem 6. September 2010. Die Karte stammt wie immer vom Benutzer tesheiner bei UMSF.
PanCam Blick an Sol 2353 in Fahrtrichtung
Abb. 3: Blick der Panoramakamera in Fahrtrichtung an Sol 2353. Der Rover hatte bereits die jenseitigen Hänge des Kraters Endeavour am Horizont in etwa 32 km (!) Entfernung im Blickfeld.
NavCam Blick inFahrtrichtung an Sol 2353
Abb. 4: Ausblick der Navigationskamera am Ende des Sol 2353. Opportunity befand sich nun in einem Gebiet mit freiliegendem Grundgestein, dass sich etwa 1.5 km voraus erstreckte und schnelle Fahrt ermöglichte. Bis zum hier nicht sichtbaren Krater "Santa Maria" waren es noch 3 km, bis zum Westrand von Endeavour 10 km Fahrstrecke.
Panorama an Sol 2353 in Polarkoordinatendarstellung
Abb. 5: Panoramablick von Opportunity an Sol 2353 in Polarkoordinatendarstellung (Credits: tesheiner von UMSF). Dies entspricht einem Blick "von oben" und zeigt winkelgenau die Lage der Randgebirge von Endeavour östlich und südöstlich vom momentanen Standort. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Opportunity genau die Hälfte des Weges von Victoria zu Endeavour zurückgelegt.

Hier die aktuellen Energie- und Fahrtwerte:
  τ - Wert Wh/Sol Lichtdurchlässigkeit Paneele Fahrstrecke
Sol 2340 (24. August 2010) 0.334 562 72.9 % 22647,85 m
Sol 2347 (31. August 2010) 0.461 579 72.9 % 22776,94 m
Sol 2355 (08. September 2010) 0.371 572 73.2 % 23073,69 m
Sol 2361 (15. September 2010) 0.568 577 74.0 % 23234,31 m
Sol 2369 (22. September 2010) 0.607 570 72.4 % 23360,65 m
Sol 2375 (29. September 2010) 0.520 607 71.0 % 23525,07 m

An Sol 2363, dem 17. September 2010, näherte sich Opportunity erneut einem Meteoriten auf der Marsoberfläche, dem man den Namen Oileán Ruaidh gab, nach dem gälischen Namen einer Insel vor dem nordwestlichen Irland. Es war dies der mittlerweile zehnte Meteorit, den die Rover zusammen auf der Marsoberfläche entdeckt hatten (siehe entsprechende eigene Seite), und das bei nur insgesamt 30 km Wegstrecke, wenn man den Weg beider Rover zusammenzählt:

Oileán Ruaidh Oileán Ruaidh
Abb. 6: Oileán Ruaidh an Sol 2363 noch etwa 40 m voraus. Es handelt sich natürlich um eine Falschfarbenaufnahme, im Hintergrund sind die Randgebirge von Endeavour bereits sichtbar. Abb. 7Oileán Ruaidh nach einer weiteren Fahrt an Sol 2367, dem 21. September 2010. Der Meteorit kommt langsam in den Bereich von Opportunitys Messinstrumenten.
Oilean Ruaidh
Abb. 8: Oileán Ruaidh an Sol 2368. Opportunity war um den Meteoriten herum gefahren, um ihn von der Seite aus aufnehmen zu können.
Oileán Ruaidh aus allernächster Nähe
Abb. 8: der Meteorit Oileán Ruaidh aus allernächster Nähe an Sol 2371, dem 25. September 2010. Opportunity machte eine Fahrpause, um diesen Brocken aus dem All mit seinem gesamten Instrumentensatz eingehend untersuchen zu können.

Beim Anblick von Oileán Ruaidh hat man ein Deja-vú, denn der Meteorit sieht den vor etwa einem Jahr (im Juli/Oktober 2009) in etwa 5 km Entfernung entdeckten Meteoriten Block Island und Mackinac sehr ähnlich, sodaß man durchaus davon ausgehen kann, dass sie ein Produkt des gleichen Einschlagereignisses in dieser Gegend der Meridiani-Ebene sind. Die Wegstrecke bis Sol 2364 (27.09.2010) war wie folgt:

Wegstrecke bis Sol 2374
Abb. 9: Fahrt bis und um Oileán Ruaidh bis Sol 2374 anhand der Karte des Users tesheiner von UMSF.

Bei der Fahrt an Sol 2374 passierte der Rover einen weiteren Meteoriten en passant: "Ireland". Dieser Meteorit ist wohl ein zweites Bruchstück des größeren Objektes, aus dem sich auch Oileán Ruaidh gebildet hat. Ireland wurde nur im Vorbeifahren aufgenommen und nicht weiter analysiert:

Ireland
Abb. 10: der Meteorit "Ireland". An ihm fuhr Opportunity an Sol 2374 lediglich vorbei.

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