Weites Land - Meridiani

Anders als bei Spirit auf der anderen Seite des Mars im Gusev Krater hatte Opportunity nach der Wintersonnenwende keine Energieprobleme mehr. Mittlerweile war in der Meridiani-Ebene ein leichter Wind aufgekommen, der die Solarpaneele freigeblasen hatte und die Energieversorgung des Rovers war wieder im grünen Bereich. Wie die τ - Werte zeigten, nahm dabei der Staubgehalt in der Atmosphäre etwas zu, denn die Werte stiegen wieder leicht an. Die Luft blieb allerdings weitgehend klar, wie der Vergleich mit entsprechenden τ - Werten auf der Erde zeigt: klare Bergluft hat hier einen Wert von τ = 1.0.

Hier die aktuellen Energiewerte zwei Monate nach der Wintersonnenwende ab Juli 2010:
 
  τ - Wert Wh/Sol Lichtdurchlässigkeit Paneele Fahrstrecke
Sol 2286 (29. Juni 2010) 0.259 354 57.7 % 21408,21 m 
Sol 2294 (07. Juli 2010) 0.226 359 57.7 % 21550,77 m
Sol 2300 (14. Juli 2010) 0.223 492 70.0% (Reinigungsevent !) 21760,61 m
Sol 2313 (27. Juli 2010) 0.558 533 79.5 % 21860.62 m
Sol 2320 (03. August 2010) 0.415 529 74.4 % 21948,13 m
Sol 2328 (11. August 2010) 0.460 528 75.0 % 22309,05 m
Sol 2334 (17. August 2010) 0.484 581 74.9 % 22640,31 m
Sol 2340 (24. August 2010) 0.334 562 72.9 % 22647,85 m

Die aktuelle Wegekarte von Sol 2315:
Wegstrecke bis Sol 2315
Abb. 1: zurückgelegte Wegstrecke bis Sol 2315 (29. Juli 2010). (Credits: Benutzer "tesheiner" von UMSF)

und hier die Ansichten um Sol 2314/2315 herum (28./29. Juli 2010):

Sol 2312 Rundumpanorama
Abb. 2: 360° Panorama an Sol 2312 (26. Juli 2010)
Endeavour Randgebirge Sol 2314
Abb. 3: Falschfarbenaufnahme des Endeavour-Zielgebietes an Sol 2314 (28. Juli 2010)
Panorama Sol 2315 in 3D
Abb. 4: 3D-Panorama in Richtung Osten Sol 2315 (rotgrün-Brille erforderlich)
Sol 2315 Spuren im Sand
Abb. 5: Sol 2315 3D-Spuren im Sand (rotgrün-Brille erforderlich) ...
Sol 2316 Panorama
Abb. 6: ... und der Panoramablick nach einer weiteren kurzen 11m-Fahrt an Sol 2316 (30.07.2010), wo Opportunity über das letzte Juliwochenende seinen Instrumentenarm auf dem Felsboden für eingehende Analysen einsetzte.

Am 5. August 2010 überschritt Opportunity die 22 km-Marke auf dem Mars. Der Rover fuhr seit einiger Zeit immer nur rückwärts, um das rechte Vorderrad zu schonen, das bei Vorwärtsfahrt einen starken Drehwiderstand zeigte, welcher jeweils durch erhöhte Stromzufuhr überwunden werden musste. Dadurch bestand die Gefahr des Blockierens. Bei der Rückwärtsfahrt konnte man nicht im Autonavigationsbetrieb fahren, da die Navigationskamera im hinteren Blickfeld die Low Gain-Antenne hatte, die die Bildauswertung im Autonav-Modus störte. Dies schränkte die täglich zurücklegbaren Wegstrecken auf maximal etwa 50-60m ein, da für jede manuelle Teilstrecke die Bilder jeweils zur Erde übertragen und ausgewertet werden mussten, bevor die nächste Teilstrecke angegangen werden konnte.
 
Roverdeck an Sol 2325
Abb. 7: Blick über das rückwärtige Roverdeck an Sol 2325 (8. August 2010). Die Low Gain Antenne rechts im Blickfeld der Kamera nach hinten stört die Wegberechnung aus den Bildern der Navigationskamera, wodurch die Autonavigationsfahrt in Rückwärtsrichtung unmöglich wird.

Zur Erhöhung der täglichen Fahrleistung hatten sich die Roverfahrer einen Trick ausgedacht: nach jeweils ungefähr 50m manueller Rückwärtsfahrt drehte sich Opportunity um 17.5° im Uhrzeigersinn gegen die Fahrtrichtung, machte so Bilder ohne störende Low Gain Antenne in Fahrtrichtung, fuhr 1 m blind, fotografierte erneut, fuhr 1 m auf den Ursprungspunkt zurück  und drehte sich danach um die 17.5° im Gegenuhrzeigersinn zurück in Fahrtrichtung. So bekam man ungestörte Bilder der Navigationskamera in Fahrtrichtung nach hinten und konnte den nächsten Autonavigationsschritt für die nächsten etwa 20 m berechnen. Die maximale tägliche Fahrtstrecke liess sich so auf etwa 70 m ausdehnen, jeweils 50 m manuell und 20 m im Autonavigationsmodus.

Dieses Verfahren erzeugte die etwas merkwürdig aussehenden Roverspuren ab Sol 2320:
 
ZickZackfahrt bei Autonavigationsetappen
Abb. 8: Rover-Zickzackfahrmodus zur Ermittlung von Bildern der NavCam in (Rückwärts-) Fahrtrichtung für die Autonavigation.
Sol 2327 vordere HazCam
Abb. 9: aus Blick der vorderen HazCam sieht eine solchermassen per Autonavigation gefahrene Strecke so aus, hier an Sol 2327, dem 10. August 2010.
Wegstrecke bis Sol 2328
Abb. 10: zurückgelegte Wegstrecke bis Sol 2328, dem 11. August 2010, wie immer vom Benutzer tesheiner von UMSF
 
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