fantastische Eislandschaften am Nordpol

In der Polarnacht wird es an den Polen des Mars so kalt, dass sich nicht nur Wassereis ablagert, sondern auch massiv das Kohlendioxid der Marsatmosphäre ausfriert. So bedeckt am Beginn des Marsfrühlings eine dicke Schicht aus Wasser- und Trockeneis die Marspole. Sobald die Sonne am Ende der Polarnacht wieder sichtbar wird und die Temperatur im Sonnenlicht steigt, verdampft das Trockeneis wieder in einem sehr explosiven Vorgang, der die sogenannten "Spiders" erzeugt und unter dem Eisboden abgeschlossene und unter Hochdruck stehende röhrenförmige Strukturen erzeugt. Diese Strukturen sind nur in einer recht kurzen Übergangsphase vorhanden. Sobald dann die Sonne höher gestiegen ist und das Trockeneis verdampft ist, lösen sich diese Strukturen auf und zurück bleibt je nach Region entweder der Wassereispanzer oder aber dünen- bzw. staubförmige Strukturen.

Während der Übergangphase bilden diese gemischten, aus Eis bzw. Sand bestehenden Strukturen teilweise wundervolle ästhetische Landschaften, wie es sie so auf der Erde nicht vergleichbar gibt. Die Bilder auf dieser Seite zeigen ein besonders eindrucksvolles Beispiel. Die HiRISE-Originalveröffentlichung "Falling Material Kicks Up a Cloud of Dust on Dunes" macht klar, was hier gemeint ist:
 
Abb. 1: im rosigen Licht der tiefstehenden Sonne über den eisbedeckten Sanddünen in der Nähe des Marsnordpols fallen nach Ende der langen Polarnacht Strukturen auf, die wie aus dem Boden herausstehende Bäume aussehen. Sie haben aber nichts mit Bäumen zu tun. Es handelt sich um an steilen Eiskanten herabgefallende Sandfontänen, die aus Regionen unter dem Eispanzer hervortreten, an denen verdampfendes Trockeneis ein Loch im Eis erzeugt hat. Der im Kontrast zum hellen Eis tiefdunkle Sand der Dünen schaut darunter hervor.
Abb. 2: eine vergrößerte Abbildung aus obigem Foto. Man sieht, dass die Sandfontänen aus punktförmigen Gebieten heraus den Abhang hinabgerutscht sind. An diesen dunklen, punktförmigen Regionen schaut der dunkle Sand unter dem hellen Eis hervor.
Abb. 3: eine andere vergrößerte Region der Abb. 1. Herabfallende Sandlawinen markieren dunkle Spuren auf dem hellen Eisgemisch bestehend aus Wassereis und Trockeneis.
Abb. 4: eine ästhetisch wunderbare und gleichzeitig fremde Landschaft auf einer Alienwelt !
Abb. 5: hier ist der Bereich oben links aus Abb. 4 noch einmal vergrößert dargestellt. Man sieht den abrutschenden Sand gerade in Aktion ! Die resultierende, mehrere Meter durchmessende Staubwolke der Sandlawine ist nocht sichtbar. Erst wenige Sekunden, bevor dieses Foto entstand, war die Sandlawine abgegangen. Fantastisch ! Ähnliche dynamische Vorgänge am Mars-Nordpol konnten schon hier dokumentiert werden.
 

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