Aufbruch von Kasos in Richtung Südwesten

Wegstrecke bis Sol 1892
Abb. 1: Wegstrecke bis Sol 1892, Richtungswechsel nach Südwesten
Nach der längeren Pause im Gebiet von Kasos ging es für Opportunity endlich am 20. Mai 2009 an seinem Sol 1891 weiter in Richtung auf den Krater Endeavour. Allerdings machte der Rover zunächst einen weiteren Schwenk nach Südwesten, um einen Bereich mit freiliegenden Felsen zu erreichen, der etwa 500 m entfernt lag und von dem aus es danach weiter direkt in Richtung Süden gehen würde. Wie bei Spirit zeitgleich gesehen waren sandige Bereiche für die Rover kritisch. Deshalb wurden möglichst felsige Bereiche gewählt.

Das Problem mit dem erhöhten Stromverbrauch des rechten Vorderrades hatte sich wie erwartet zurückgebildet, die längere Pause bei Kasos hatte dem Rover gut getan. So lief alles zunächst recht problemlos weiter wie geplant. An Sol 1891 wurden 20 m zurückgelegt, an Sol 1892 weitere 70m. Dies brachte den Rover nun über die 16 km-Marke seines Gesamtweges auf dem Mars.

Dies war der Blick am Ende von Sol 1891 und Sol  1892 in Richung Südwesten:
 
Südblick am Ende von Sol 1891
Abb. 2: Der Blick am Ende von Sol 1891 in Fahrtrichtung Richtung Süd/Südwest. Der Anblick war so wie schon viele Sols vorher auch.
Blick nach Süden an Sol 1892
Abb. 3: Blick nach Süden an Sol 1892

Wegstrecke bis Sol 1898
Abb. 4: Wegstrecke bis Sol 1898
Die Fahrt von Opportunity ging ohne Probleme in Richtung Süden weiter. Bis Sol 1897, dem 26. Mai 2009, legte der Rover weitere 120 m zurück und hatte damit den Tachometer auf insgesamt 16.134 m oder 10.025 Meilen gesetzt. Die 10-Meilen-Marke war  gefallen ! Das Bild hier links zeigt die Wegstrecke bis Sol 1898.











Die Werte für die Energiesituation waren an Sol 1899 (28. Mai 2009) wie folgt:  
  • Energieaufnahme: 436 Wh/Tag. (ganz leichte Verschlechterung)
  • Tau-Wert: τ = 0.651 (leichte Verbesserung)
  • Staubfaktor auf den Solarpaneelen: 56.4 % Durchdringung (leichte Verschlechterung)
  • zurückgelegte Wegstrecke: 16.184,2 m 
In den Folgesols ging es ebenfalls weiter genau nach Süden. Der Rover fuhr dabei in Vorwärtsrichtung, das Reibungsproblem mit dem rechten Vorderrad trat dabei nicht auf. Opportunity gelangte bis Sol 1902, dem 31. Mai 2009, in einen Bereich, in dem es keine freiliegenden Felsen mehr gab und die Fortbewegung nur noch auf Sand erfolgte (siehe vergrößerte Ansicht der Abbildung 5, erhältlich durch Klicken auf das Bild).

Wegstrecke bis Sol 1902 Blick zurück an Sol 190
Abb. 5: Wegstrecke bis Sol 1902, dem 31. Mai 2009 (Credits: Tesheiner bei UMSF) Ein Klick auf das Bild liefert eine Gesamtansicht der zurückgelegten Wegstrecke seit dem Krater Victoria. Abb. 6: Opportunity verliess fürs erste den Bereich mit freiliegenden Felsen, von jetzt ab ging es nur noch auf Sand weiter
Blick nach Westen an Sol 1902 Blick nach Süden an Sol 1902
Abb. 7: Die Sandwüsten des Mars, wie schon seit Wochen sichtbar. Hinten in der Bildmitte ein zugewehter, alter Krater Abb. 8: In Richtung Süden gab es für mindestens die nächsten 350 m nur noch Sand.

Die vergrößerte Karte der Abb. 5 (Klicken auf das Bild) zeigt, dass es für ungefähr die nächsten 350 m nur noch auf Sand weiterging, es gab keine freiliegenden Felsformationen mehr. Dies bedeutete erhöhtes Risiko für das Festfahren im Sand. Erst danach kam dann wieder ein felsenreicheres Gebiet, auf dem Opportunity dann wieder gefahrloser weiterfahren konnte. Dieses neue Felsengebiet erstreckte sich dann auch weiter nach Südosten, so daß der Rover auch endlich dem eigentlichen Ziel im Südosten, dem Krater Endeavour, näher kommen konnte. Die Fahrt ging problemlos voran. Opportunity fuhr dabei im autonomen Modus vorwärts, wobei die Temperatur des rechten Vorderrades wieder leicht anstieg, aber in tolerablen Werten blieb.

So legte Opportunity weitere 250 m zurück. Die Werte für die Energiesituation und die Wegstrecke waren bis Sol 1905 (3. Juni 2009) wie folgt:  
  • Energieaufnahme: 413 Wh/Tag. (leichte Verschlechterung)
  • Tau-Wert: τ = 0.559 (leichte Verbesserung)
  • Staubfaktor auf den Solarpaneelen: 54.2 % Durchdringung (leichte Verschlechterung)
  • zurückgelegte Wegstrecke: 16.424,2 m 
Die Gegend zu dieser Zeit umfasste ausschließlich Sanddünen ohne felsige Bereiche dazwischen. Exemplarisch hier eine Ansicht in Richtung Fahrtstrecke nach Süden von Sol 1902:
 
Abb. 9: Blick nach Süden in Fahrtrichtung an Sol 1902 (Credits: James Canvin at nivnac.co.uk)

Wie sich herausstellte, stiegen in diesem sandigen Gebiet mit erhöhtem Rollwiderstand die Stromwerte des rechten Vorderrades stärker an als die der anderen Räder. Bei Fahrt auf felsigem Untergrund war dieser Effekt ebenfalls bemerkbar, allerdings sehr viel kleiner. Die Stromwerte stabilisierten sich erst wieder nach ein- bis zweiwöchigem Stillstand. Sobald Opportunity also den Bereich mit felsigem Grundgestein in 300 m Entfernung (siehe dieses Bild) erreichen würde, wäre also eine weitere längere Fahrpause notwendig.

Während der Fahrt durch die Sanddünen in diesem Bereich wechselte Opportunity nach einzelnen Etappen die Orientierung und fuhr wechselseitig vorwärts und rückwärts. Die Abfolge im nächsten Bild zeigt einen solchen Orientierungswechsel von Sol 1911 (9. Juni 2009), als Opportunity von der Vorwärts- in die Rückwärtsorientierung wechselte.
 
Opportunitys Drehung an Sol 1911
Abb. 10: Film der Roverdrehung an Sol 1911 (9. Juni 2009) aus Sicht der vorderen Hazcam. Wie man sieht, wühlt Opportunity dabei den sandigen Boden ordentlich auf.

Wegstrecke bis Sol 1912
Abb. 11: Opportunitys Wegstrecke bis Sol 1912 (Credits: tesheiner bei UMSF)
An Sol 1912, dem 10. Juni 2009, hatte sich Opportunity schon ein gutes Stück durch das kritische Sandgebiet durchgekämpft und war dem südlich wieder freiligenden Felsenuntergrund ein gutes Stück näher gekommen. Bei der Wende während des letzten Sols (siehe Abb. 10) war ein heller Untergrund unter einer nur dünnen, marstypisch roten Deckschicht von den Rädern freigelegt worden. Spirit hatte ähnliche Strukturen auf der anderen Marsseite im Gusev-Krater bereits mehrfach freigelegt. Dies deutete möglicherweise für die Meridiani-Ebene genauso wie bei Gusev auf eine frühere marsgeschichtliche Periode hin, auf der es an dieser Stelle freies Wasser gegeben haben könnte.  Die hellen Bereiche wären demnach Rückstände der im Wasser gelösten Salze wie Sulfate, Carbonate oder soger SiO2 als Auswurf von heissen Quellen.

Das Problem mit dem steigenden Drehwiderstand des rechten Vorderrades machte sich am 8. Juni 2009 (Sol 1910) nach einigen vorwärts gefahrenen Etappen wieder bemerkbar. Daraufhin wurde am 10. Juni 2009 (Sol 1912) die nächste 72 m-Etappe rückwärtsfahrend zurückgelegt. Leider sank dabei die für das Drehen des Problemrades benötigte Strommenge nicht wieder, so dass man sich entschloss, eine etwas längere Fahrpause einzulegen, um dem Radlager Gelegenheit zur Abkühlung zu geben. Einige Sols Fahrpause hatten in der Vergangenheit immer zu einer Normalisierung geführt.

Die Werte für die Energiesituation und die Wegstrecke waren bis Sol 1912 (10. Juni 2009) wie folgt:  
  • Energieaufnahme: 431 Wh/Tag. (leichte Verbesserung)
  • Tau-Wert (Durchlässigkeit der Atmosphäre): τ = 0.589 (leichte Verschlechterung)
  • Staubfaktor auf den Solarpaneelen: 54.9 % Durchdringung (leichte Verbesserung)
  • zurückgelegte Wegstrecke: 16.569,1 m  
Sol 1915 "Blueberrys" - Teppich
Abb. 12: Blick über die Kante des Roverdecks auf die "Blueberrys", die die talkumpuderähnliche Oberfläche der Meridiani-Ebene bedecken.
Hier ein Farbfoto von Sol 1915 (13. Juni 2009), das die Bodenbeschaffenheit im Operationsgebiet von Opportunity zeigt: unzählige "Blueberrys" bedecken den Boden, der aus talkumpuderähnlichen Sanddünen besteht. DIe Sandpartikel haben eine relativ große Adhäsionskraft, wie man an den durch die Räder aufgewühlten Brocken am unteren Bildrand sieht. Hier hat Opportunity, anders als sein Pendant Spirit auf der anderen Marsseite, keine großen Probleme mit der Traktion der Räder.

Während seiner Fahrpause bis zur Normalisierung des Stromverbrauches des rechten Vorderrades untersuchte Opportunity den Boden mit seiner Instrumentenausstattung eingehend. Die Wartezeit war unbedingt notwendig, denn sollte auf seiner Reise zum großen Ziel Endeavour in noch einigen Kilometern Entfernung das Rad ausfallen, so war die Erreichung dieses Ziels nicht mehr möglich. Zur Zeit dieser Pause war eine mögliche Abschätzung der noch benötigten Fahrzeit bis zum Rand von Endeavour der Herbst 2010. 

Der Einsatz des Alpha-Partikel Röntgenfluoreszenzspektrometers APX und des Mössbauer-Spektrometers bedeuteten mittlerweile einen längeren Stillstand, denn aufgrund der durch die Halbwertszeit in fast sechs Jahren seit der Landung auf dem Mars abgeschwächten radioaktiven Quellen dieser Messinstrumente benötigte eine vollständige Messung einen Zeitraum von mehreren Sols und nicht mehr nur von einigen Stunden.

Die Energieversorgung des Rovers um diese Zeit bedeutete noch kein Problem, aber ein Windstoß zur Reinigung der Solarpaneele käme nicht ungelegen. Es wurde auch langsam Zeit, die an die momentane Position des Rovers angrenzenden Gebiete mit der Hochauflösungskamera von MRO abzulichten, denn Opportunity näherte sich langsam aber sicher dem Rand des bisher verfügbaren hochaufgelösten Kartenmaterials der Gegend westlich von Endeavour.
 

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