Opportunitys Endeavour Trek, Abschnitt 3

Im Februar 2009 befand sich Opportunity weiterhin auf seinem langen Weg zum Krater Endeavour. Der Rover hatte zu diesem Zeitpunkt um Sol 1792 (7.2.2009) herum die 14 km-Marke seiner Gesamtfahrstrecke auf dem Mars überschritten und befand sich mitten in den Sanddünen der Meridiani-Ebene zwischen Victoria und den großen Kratern im Süden. Sein stolzes Ziel, der 22 km durchmessende Krater Endeavour lag immer noch mehr als 10 km südöstlich seines momentanen Standorts und es würde noch etwa 2 weitere Jahre brauchen, diesen auch zu erreichen. Zur Übersicht verdeutlichen die nächsten beiden Aufnahmen noch einmal das ehrgeizige Gesamtbild von Opportunitys Aufgabe:
 
Gesamtstrecke bis Ende 2008 Übersichtsbild der Endeavour-Region
Abb. 1: Gesamte Wegstrecke von Opportunity bis Sol 1742. Dies war Ende 2008. Der Rover hatte bis dahin etwa 14 km auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und befand sich etwa 1 km südwestlich des Kraters Victoria. Abb. 2: das Übersichtsbild zeigt den gesamten Bereich südlich des Landeplatzes von Opportunity mit dem 800m durchmessenden Krater Victoria und dem Fernziel, den 22 km durchmessenden Krater Endeavour südöstlich der Position des Rovers. Anfang des Jahres 2009 war der nächste Bereich des nordwestlichen Randes von Endeavour noch immer mehr als 11 km von Opportunity entfernt.

Wegstrecke bis Sol 1791
Abb. 3: zurückgelegte Wegstrecke von Opportunity bis Sol 1791 (Credits: tesheiner von UMSF
Opportunity hatte an Sol 1792, dem 06. Februar 2009, gerade einige Probleme mit der Stromversorgung seines Hauptmastes überwunden, die seine Panoramakamera, die Navigationskameras und das Mini-TES (Thermal Emission Spectrometer) - Instrument beeinträchtigt hatten. Der Rover befand sich mitten in den Dünenfeldern der Meridiani-Region in der Nähe eines kleinen Kraters namens "Halfmoon". Das Bild links zeigt die aktuelle Position an Sol 1791.  Das Mastproblem hatte den Rover 5 Tage lang aufgehalten. In den Tagen davor hatte Opportunity Fahrstrecken von mehr als 100 m pro Tag zurücklegen können, jeweils gefolgt von einem "Pausentag" zur Festlegung des weiteren Kurses anhand der allabendlich übermittelten Bilder des Fahrtendpunktes eines jeden Tages. Aufgrund der Kursänderung von Mars Odyssey im letzten September erfolgte der letzte Überflug des Kommunikationsorbiters jeden Tag immer etwas früher als am Vortag. Dies hatte zur Folge, dass der Rover immer früher seine "Tageszusammenfassung" an den Orbiter übermitteln mußte. Dies begrenzte die zeitliche Dauer eines jeden Fahrtages auf etwa 16 Uhr Ortszeit. Beim spätnachmittaglichen Odyssey-Überflug mußten die letzten Bilder des Tages übermittelt und die Kommandos für den nächsten Tag hochgeladen werden, bevor der Rover seine nächtliche Ruhephase antrat. Bis Ende 2009 würde sich der Orbit von Mars Odyssey weiter verändern, bevor er auf den gewünschten 15 Uhr Nachmittagsüberflug fixiert werden würde.

Dies war Opportunitys aktueller Blick in Richtung Süden am Ende von Sol 1791:
 
Abb. 4: Blick in Richtung Süden an Sol 1791 (Credits: mhoward von UMSF).
Blick zurück nach Norden
Abb. 5: Blick zurück in Richtung Norden an Sol 1791 (Credits: mhoward auf Flickr).

Opportunity kam weiter gut voran. An Sol 1795 gelang eine 150 m Fahrt vom Standort des Sol 1793 und es ergab sich die Gesamtstrecke der Abb. 6 sowie das Umgebungsbild der Abb. 7 am Abend von Sol 1795:

Abendblick an Sol 1795
Abb. 6: Wegstrecke bis Sol 1795 Abb. 7: Blick am Abend von Sol 1795
Navcam vorn an Sol 1795 Navcam hinten an Sol 1795
Abb. 8: Hazcam vorn Abb. 9: Hazcam hinten
Wegstrecke bis Sol 1797 Ende Sol 1797 Blick nach hinten
Abb. 10: Wegstrecke bis Sol 1797 (11.02.2009) Abb. 11: Blick nach hinten am Ende des Tages von Sol 1797

Bei der Fahrt an Sol 1797 traten außergewöhnlich hohe Ströme zum Drehen des rechten Vorderrades auf, das schon im Victoria Krater auffällig geworden war. Daraufhin wurde die beabsichtigte Fahrt an Sol 1798 abgesagt und stattdessen etwa 10 m auf den alten Spuren zurück und gleich danach wieder voraus gefahren, um zu überprüfen, ob eine Abhängigkeit von der Konsistenz des Untergrundes bestand. Zum Vergleich wurden danach weiter 4 m voraus über unberührten Boden gefahren und jeweils die zum Drehen des Rades notwendigen Ströme gemessen. Die Ströme waren alle unnormal hoch und beim Rückwärtsfahren geringer als in Vorwärtsrichtung. Die Analysen dauerten über das verlängerte Wochenende in den USA mit dem Presidents Day am Montag, den 16. Februar 2009 an.

An Sol 1803, dem 18. Februar 2009, wurde das nächste Wegstück zunächst ein kleines Stück in Rückwärtsrichtung gefahren, dann gewendet und den Rest der Strecke vorwärts zurückgelegt, um die Werte für den Stromverbrauch des rechten Vorderrades vergleichen zu können. Es scheint so zu sein, dass beim Rückwärtsfahren generell unabhängig von der Bodenbeschaffenheit weniger Kraft aufgebracht werden muss. Rückwärtsfahren funktioniert nur blind, d.h. die Autonavigation des Rovers funktioniert dann nicht. Dies bedeutet in der Konsequenz, dass rückwärts nur noch kleinere Strecken pro Tag "auf Sicht" durch die Bodenkontrolle gefahren werden könnten. Das Steuerung des rechten Vorderrad ist schon seit dem 5. April 2005 ín 7°-Stellung nach links blockiert, dreht sich aber in dieser Stellung mit. Vermutlich daher kommt die stärkere Belastung dieses Rades während der Fahrt.

Opportunitys Energielage am 18. Februar 2009 ist gut und liegt bei 567 Wh/Tag. Die Atmosphären-Durchlässigkeit ist τ=0.540 und der Abschwächungsgrad des Sonnenlichts durch aufliegenden Staub auf den Solarpaneelen ist 41.1%. Auch hier täte also ein Windreinigungsevent durchaus gut.

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