Opportunitys Aufbruch zu Endeavour

Mit durch Staubteufeln freigeblasenen Solarpaneelen und einer dadurch verfügbaren täglichen Energiemenge von über 600 Wh/Tag machte sich Opportunity ab seinem Sol 1660, dem 25. September 2008, nach dem Verlassen des Kraterinneren von Victoria auf zu seiner auf 2 Jahre ausgelegten langen Reise in Richtung Süden. Ziel war der 12 km (!) entfernte nordwestliche Kraterrand des 22 km durchmessenden Kraters Ithaca (neu getauft: "Endeavour") im Südosten des momentanen Standortes. Wenn man bedenkt, dass die gesamte bisher in fast fünf Jahren zurückgelegte Wegstrecke in der Meridiani-Ebene auf dem Mars nurmehr etwas weniger als 12 km betrug, war dies ein herausforderndes Unternehmen. Der 12 km Wegpunkt wurde nach Sol 1663 überschritten, siehe Abb. 1 links. Das 12 km entfernte Ziel war besonders herausfordernd unter Berücksichtigung des Sachverhaltes, dass der Rover ja nur deshalb das Kraterinnere von Victoria verlassen hatte, weil es bedeutende Indizien dafür gab, dass eines der Räder kurz vor dem Verlust seiner Drehfähigkeit stand.

Wie auch immer, Opportunity legte forsch los und bewältigte innerhalb von knapp einer Woche eine Entfernung von fast 300 m.  Abbildung 1 zeigt die vom Rover zurückgelegte Wegstrecke bis an Sol 1668, dem 2. Oktober 2008:
 
Wegeplan bis Sol 1168
Abb. 1: zurückgelegte Wegstrecke von Opportunity bis Sol 1668. Der Rover fuhr schnell nach Süden, um dort an zwei hervorstechenden Wegpunkten (siehe in der rechten Abbildung in blau die weitere. vorausliegende Wegstrecke) noch einmal weitere Bilder vom Victoria-Kraterinnern zu machen. Danach fuhr der Rover weiter "über Land" 12 km in Richtung Süden in Richtung auf den 22 km durchmessenden Krater "Endeavour" zu, eine Unternehmung, dessen Erfolg noch nicht vorausgesagt werden konnte.

Direkt nach Beginn seiner Reise passierte Opportunity an Sol 1660 den kleinen, direkt am Rande der Duck Bay liegenden Krater "Sputnik", der bei der Ankunft am Krater Victoria im September 2006 auch schon mal "Duck Crater" geheissen hatte, siehe hier. Offenbar kommt die NASA mit ihrer Namensgebung langsam nicht mehr nach :-) :
 
Abb. 2: Opportunity passierte direkt nach Beginn seiner Reise zum Krater Endeavour an Sol 1660 den kleinen Krater Sputnik, der in der Meridiani-Ebene direkt neben den Einstiegspunkt in den Krater Victoria, der Duck Bay, liegt.

Dank seiner bereits mehrfach überarbeiteten Steuersoftware konnte Opportunity die nun folgenden Tage mittels autonomer Steuerung selbständig ohne Eingreifen der Steuerleute auf der Erde fahren. Auch deshalb gelang es an zwei Tagen, die fast rekordverdächtige Strecke von 253 m zurückzulegen. Es ergaben sich danach Blicke zurück, die es so schon lange nicht mehr gegeben hatte, da in den letzten zwei Jahren das Innere von Victoria die weiten Blicke begrenzt hatte:
 
Abb. 3: Blick zurück an Sol 1661 vom Rand des Kraters Sputnik (links) und an Sol 1663 nach einer weiteren Tagesetappe von 153m (rechts). Durch autonome Steuerung bewegte sich der Rover selbständig über die flache Meridiani-Ebene und umfuhr die kleineren und größeren Sanddünen in eleganten Kurven.

Der Blick am Ende von Sol 1668, dem 2. Oktober 2008, direkt vom Rand einer Klippe des Victoria-Kraters war dieser:
 
Panorama an Sol 1668
Abb. 4: Blick des Rovers vom Rande von Victoria in Richtung Norden an Sol 1668 nach drei langen Fahretappen Richtung Süden (siehe auch Abb. 1). Am linken Rand geht der Blick auf die Rampe ins Kraterinnere von Victoria vor "Cape Pillar" (siehe das linke Bild der Abb. 1 auf dieser Seite für Details).

Bis Mitte Oktober 2008 hatte Opportunity schon ein großes Stück entlang der Kraterkante von Victoria zurückgelegt. An Sol 1676, dem 9. Oktober 2008 sah die zurückgelegte Wegstrecke wie folgt aus:
 
Abb. 5: Wegstrecke bis Sol 1676

Der Blick von Sol 1674 in den Krater war folgender:
 
Cape Victory
Abb. 6a: Blick an Sol 1674 auf Cape Victory in Richtung Norden
Blick nach Südosten Blick nach Südosten in 3D
Abb. 6b: Blick an Sol 1674 an der gleichen Stelle in die andere Richtung Richtung Südosten auf das nächste Cape. Das rechte Foto zeigt eine mit einer rotblau-Brille besonders gut kommende 3D-Ansicht.

Die obigen Roverpositionen gestatteten es zum letzten Mal, eindrucksvolle Fotos vom Inneren des Kraters Victoria aufzunehmen. Ab jetzt ging es für Wochen, Monate und vielleicht sogar Jahre hinweg wieder über die von einem zum anderen Horizont reichenden Ebenen des Meridiani, über Sandwüsten, Sandrippeln und dem einen oder anderen kleineren oder größeren Krater. Die Verantwortlichen bei der NASA und auch die Hobbyastromomen im Internet bei USMF hatten sich im Vorfeld eine Menge Gedanken über die möglichst sicherste Strecke zum Krater Endeavour gemacht, die Vorkommnisse in der Vergangenheit verhindern sollten, wie beispielsweise Ende April 2005 das Festsitzen in der "Purgatory-Düne". Es gab mehrere vielversprechende Kurse und die Roverfahrer schienen sich für einen Kurs entschieden zu haben, der zunächst in Richtung Südwesten von Victoria wegführte, um dann in der Folge allmählich nach Süden und dann nach Südosten zu schwenken. Das folgende Bild zeigt einen solchen möglichen Kurs, der die auf dem Weg liegenden Gefahren soweit als möglich minimaliserte. Er war schon im Februar 2008 vorgeschlagen worden vom User ustrax bei USMF:
 
Gesamtweg Victoria zu Endeavour
Abb. 7: Ein Kursvorschlag vom User "ustrax" bei USMF für Opportunitys Weg von Victoria zu Endeavour

Zumindest die ersten Tagesetappen weg vom Krater Victoria legten die Annahmen nahe, dass sich die Spezialisten bei der NASA einen ähnlichen Weg wie die Hobbyastronomen in der Abbildung 7 ausgesucht hatten. Sie führten den Rover in Richtung Südwesten weg vom Rand des Kraters. Die Wegeübersicht von Sol 1687 sah am 23. Oktober 2008 wie folgt aus:
 
Wegeplan bis Sol 1687 Weg weg von Victoria
Abb. 8: Wegstrecke von Opportunity bis Sol 1687, dem 23. Oktober 2008
Die Weiten der Meridiani-Ebene
Abb. 9: Blick des Rovers am Ende von Sol 1687 nach vorne (links) und hinten (rechts). Die Sandwüsten des Meridiani hatte den Rover wieder !

Opportunity kam in den letzten Tagen des Oktober 2008 gut voran. Die Stromversorgung war bestens (652 Wh/Tag) und bis zum Beginn der solaren Konjunktion am 29. November 2008, die bis zum 15. Dezember 2008 dauerte, und während der keinerlei Kommunikation mit dem Rover möglich war, konnte ein gutes Anfangsstück des Weges zum Krater Endeavour zurückgelegt werden. Allerdings waren dies alles nur kleine Wegstücke (etwa 500 m) des langen, über 12 km langen Weges zu Endeavour ...

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