Gullies in Noachis Terra

Mars Reconnaissance Orbiter fotografierte mit seiner HiRISE-Kamera zum ersten Mal sogenannte Gullies in Hochauflösung. Es handelt sich dabei um durch Flüssigkeit hervorgerufene Gräben in Kraterrändern. Die eindrucksvollsten Gullies wurden schon vor einiger Zeit beobachtet, aber nie mit der hohen Auflösung der HiRISE-Kamera. Bei den folgenden Bildern handelt es sich um Flüssigkeitsabgänge in einem halbrunden Graben in Noachis Terra. Die Originalveröffentlichung ist hier aus dem Release 15 des HiRISE Operation Centers der Universität von Arizona. Ein Klick auf das Bild zeigt einen hochaufgelösten Ausschnitt dieses Bildes, bei dem Details bis zu 50 cm Durchmesser sichtbar sind:
 
Abb. 1: Die Gullies entspringen hauptsächlich aus einer ein paar Meter tief gelegenen Bodenschicht, die sich durch große Felsbrocken etwas unterhalb der eigentlichen Oberfläche in etwa 15-20 m Tiefe auszeichnet. Die Theorie ist, dass es sich sich um gefrorenes (Grund-)Wasser in dieser Tiefe handelt, das an der Abbruchkante herausgetreten ist und die Gräben beim Herabfliessen aus der Umgebung herausgefräst hat. Die Sonne scheint von links auf diese Szene und steht dicht über dem Horizont. Daher treten hier die Details besonders plastisch hervor. Das rechte Bild ist ein vergrößerter Ausschnitt des linken Bildes.
 
Einen vergrößerten Ausschnitt des obigen Bildes zeigt die aus größeren Felsbrocken bestehende Schicht unterhalb der Oberfläche als Quelle der Flüssigkeit::
 
Abb. 2: Die Flüssigkeit - wahrscheinlich Wasser - entsprang aus der Felsenschicht etwa 10 m unterhalb der felsigen Oberfläche und floss dann den Abhang hinab. In den Bedingungen der heutigen marsianischen Atmophäre ist flüssiges Wasser nicht möglich, daher muss dieser Flüssigkeitsabgang schon vor langer Zeit stattgefunden haben. Es zeigt aber, das es unterhalb des eigentlichen Marsboden auch heute noch gefrorenes Wasser geben könnte.
 
Hier ist ein besonders eindrucksvolles Detail aus der gleichen Gegend in Noachis Terra. Es zeigt ein Gebiet unterhalb eines Gullies, in dem sich durchaus Wasser in Form eines kleinen Sees gehalten haben könnte, bevor es dann nach oben aus dem kleinen Vorsprung herausgeflossen ist. Ein Klick auf das Bild zeigt ein hochaufgelöstes Detail etwas links unterhalb der Bildmitte:
 
Abb. 3: Überreste eines kleinen Sees, der das aus der Felsschicht links unten herausgeflossene Wasser eine zeitlang aufgefangen haben könnte, bevor es dann weiter nach links oben den Abhang hinabgeflossen ist. An dieser Stelle scheint es also Wasservorkommen in Bodenschichten dicht unter der Oberfläche gegeben zu  haben oder vielleicht auch noch zu geben.

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