Eis in Terra Sirenum

Nach Ankunft von Mars Reconnaissance Orbiter im Marsorbit Anfang Oktober 2006, vor der solaren Konjunktion, wurden alle Instrumente eingeschaltet und Testbilder und -messungen gemacht, um die Leistungsfähigkeit der Instrumente zu überprüfen. Schon die ersten Ergebnisse zeigten eindrucksvoll die Qualität der Onboardinstrumente des Raumschiffes. In Abb. 1 ist ein namenloser Krater in Terra Sirenum in einer Kontextaufnahme zu sehen mit vermutlich von Wasser erzeugten Gullies, die die Kraterrand herabfliessen. Unten in Abb. 2 ist  ein Ausschnitt des Chasma Borealis-Tals am Mars Nordpol zu sehen, das sich 400 km weit in die polare Eisfläche der Nordpolkappe hinein erstreckt. Im Folgenden sind die Hochauflösungsausschnitte zu diesen beiden Kontextaufnahmen zu sehen:
 
Gullies in einem Krater in Terra Sirenum Chasma Boreale Taleende
Abb. 1: Gullies im Kraterwall eines namenlosen Krater in Terra Sienum. Das Bild ist aufgenommen bei -38.9° Breite und 223.7° östliche Länge aus einer Höhe von 254 km und entspricht dem zentralen, orange gezeichneten Bereich des linken Kontextbildes. Aus dieser Höhe ist die Auflösung 51 cm/Pixel ! Damit sind Objekte größer als 1,50 m Durchmesser voll aufgelöst. Die Aufnahme wurde um 15:38 lokaler Marszeit aufgenommen, als die Sonne 10,1° über dem westlichen Horizont stand. Die grauen Bereiche sind im Schatten abgelagertes Wassereis, die braunen Bereiche zeigen den nackten Fels. Zur Aufnahmezeit waren die Temperaturen an dieser Stelle so hoch, dass kein festes Kohlendioxideis existieren konnte.
Abb. 2a: Der rot umrandete Bereich im unteren Teil dieses Kontextbildes zeigt den aufgenommenen Ausschnitt, von dem das folgende Bild der zentrale Teil ist.
Ende des Chasma Boreale-Tals am Mars-Nordpol
Abb. 2b: Ende des Chasma Boreale-Tals am Mars Nordpol. Dieses Tal ist einige Kilometer tief und erstreckt sich etwa 400 km in die Nordpolkappe hinein.  Die maximale Auflösung ist 18 m unter den Aufnahmebedingungen. Der kraterübersähte Talboden ist von Sanddünen bedeckt, die als eine Art Sandsee die gesamte Nordpolkappe umfliessen. Der Talrand mit dem Übergang zur aus Sand und Eis bestehenden Polarkappe erhebt sich senkrecht 1,1 km in die Höhe. Von dort oben hätte man einen phantastischen Blick in das Tal !

Am 22.12.2006 wurde ein Foto eines namenlosen Kraters in der Region "Terra Sirenum" auf der Südhalbkugel des Mars veröffentlicht. Zu dieser Zeit herrschte dort Mittwinter und die Südpolarkappe war bedeckt von einem Mantel aus Wassereis und Kohlendioxid-/Trockeneis. Trockeneis ist kälter und sublimiert bei weitaus tieferen Temperaturen als das Wassereis in die Gasphase, ohne zwischendurch über die flüssige Phase zu gehen.
 
Saisonaler Frost in Terra Sirenum
Abb. 3: Im oberen Bild ist der (in Falschfarbenfotografie) im Schatten liegende Nordrand eines Kraters zu sehen mit einer Schichtung aus Wassereis und Trockeneis. Im unteren Bild ist die von MRO mittels des bordeigenen Infrarotspektrometers ermittelte Verteilung von Kohlendioxid- und Wassereis zu sehen. Grün ist das Kohlendioxideis, blau das Wassereis und Rot der Felsboden, jeweils erkenntlich an der eindeutigen Absorptionslinie von CO2 und H2O im Infrarotspektrum. Man sieht deutlich, dass es links im Schatten kalt genug für das Ausfrieren von Kohlendioxid ist, während in den im Sonnenlicht liegenden Bereichen des Kraterrandes nur (noch) Wassereis vorhanden ist.

zurück zu "Loch im Pasteur Krater"
zurück zu MRO Übersichtweiter zu Candor Chasma