Weg zu Victoria

Opportunity verließ Mitte März 2006 die Gegend um den Krater Erebus und machte sich am 15. März auf, den großen Krater Victoria südöstlich von Erebus zu erreichen. Der Rover hielt sich seit Ende 2005 an und im Krater Erebus auf und hatte dort mit einem Defekt seines Instrumentenarms zu kämpfen, der ihn zunächst ernstlich behinderte, aber schließlich durch einen Workaround behoben werden konnte.  Das folgende Bild zeigt den Weg des Rovers bis Sol 836, dem 31. Mai 2006:
 
Wegeplan bis Sol 836
Abb. 1: Opportunity's Reiseweg zwischen Erebus und Victoria

Victoria war der weitaus größte und tiefste Krater, der in Reichweite von Opportunity lag. Der Rover musste eine Entfernung von etwa 2 km bis dahin überbrücken, und das in einem dünenübersähten, sandigen Terrrain, das schon einmal vor einigen Monaten zu einem längeren Stillstand des Rovers geführt hatte. Opportunity verliess den Krater Erebus in einigermassen guter 'Gesundheit'. Ein Steuerungsmotorausfall am Schultergelenk des Instrumentenarms (im November 2005) sowie ein nach links zeigendes und in dieser Lenkposition festsitzendes rechtes Vorderrad (im April 2005) waren bis dahin die einzigen größeren Ausfälle. Diese waren aber für das weitere Vorankommen des Rovers nicht von entscheidender Bedeutung. Im folgenden nun ein Blick zurück auf die südwestlichen Eckbreiche des Kraters Erebus (Abbildung 2) sowie ein Vorausblick an dieser Stelle auf das kommende Gelände (Abbildung 3).
 
Abb. 2: Blick zurück auf Erebus Abb. 3: Vorausblick auf das Kommende: ein in der Bewegung erstarrtes Sandmeer

Die nächste Abbildung 4 zeigt den nächsten Zielkrater Victoria als mit einer rotgrün-Brille zu betrachtenden 3D-Aufnahme, die aktuell von Mars Global Surveyor durch zweimaliges, etwas versetztes Überfliegen des Landegebietes von Opportunity gewonnen werden konnte. Der Rover bewegte sich in südöstlicher Richtung weiter auf das noch knapp 2 km entfernte Ziel zu (Vergleich zurückgelegter und noch ausstehender Weg zu Victoria siehe hier, Victoria ist der Krater rechts unten in dem hinter diesem Link liegenden Bild).
 
Abb. 4: der Krater Victoria in 3D-Aufnahme

Mit einer rotgtün-Brille betrachtet zeigt sich sehr eindrucksvoll die Tiefe dieses größten von Opportunity erreichbaren Kraters im Landegebiet. In den folgenden Abbildungen sind ein paar Impressionen von der Fahrt zu Victoria eingefangen.
 
Abb. 5: Spuren am Abend des 01. April 2006 gegen 17:00 Uhr Ortszeit Abb. 6: Opportunity flog geradezu über die Dünenkämme
 Abb. 7: Blick zurück am 10. April 2006 (Sol 786)

Am 01. Mai 2006, dem Sol 807 von Opportunity auf dem Mars, kam zum ersten Mal der Kraterrand von Victoria ins Blickfeld des Rovers. In der nächsten Abbildung 8 sieht man ihn als feinen, bildfüllenden  Strich hinten am Horizont.
 
Abb. 8: der Krater Victoria liess sich am 01. Mai 2006 zum erstenmal hinten am Horizont erahnen

Am 16. Mai 2006 waren die äußeren Auswurfränder des Victoria-Kraters erreicht, etwa 1.1 km vom eigentlichen Kraterrand entfernt.
 
Abb. 9: der äußere Ring des Auswurfs von Victoria war am 16. Mai 2006 erreicht.

Der Rover kam bis Ende Mai ohne grosse Probleme gut voran und war am 31. Mai 2006 noch knapp 1 km vom nordwestlichen Rand des Kraters Victoria entfernt. Wegen der Aerobraking-Manöver von Mars Reconaissance Orbiter, die zur gleichen Zeit hochpriorisiert stattfanden, war zeitweise die Kommandokommunikation mit Opportunity von der Erde aus nur über einen langsamen Link per UHF mit dem überfliegenden Mars Odyssey-Orbiter möglich, was die zurücklegbare Wegstrecke limitierte. Wohl auch aus diesem Grund passierte am 30. Mai 2006 das gleiche Malheur wie schon fast exakt vor einem Jahr: der Rover fuhr sich ein einer kleinen Sanddüne fest ! Es war die gleiche Situation wie damals. Rückwärtsfahrend und an diesem Tag für eine Wegstrecke von 24 m programmiert rammte  Opportunity nach nur 1.5 m in eine kleine Düne und steckte mit durchdrehenden Rädern fest. Die nachstehenden Bilder geben einen Einblick in die Situation am 30. Mai 2006:


 
Abb. 10: Blick zurück: allmählich drehten sich die Räder beim Rückwärtsfahren in den Sand
Abb. 11: Nahblick: links vorn und hinten Abb. 12: Nahblick: rechts vorn und hinten






















Wie man deutlich sieht, ist der Rover mit seinem - in Fahrtrichtung rückwärts - rechten Hinterrad tief in die Düne eingegraben während die anderen Räder weit weniger tief eingesunken sind. Insgesamt war die Situtation deshalb wohl weiter weniger kritisch als vor einem Jahr und die NASA ausserdem bereits mit dem notwendigen Knowhow für solche Fälle ausgerüstet.  Am 4. Juni 2006 (Sol 840), beim 2. Versuch, den Rover durch Rückwärtsfahren aus der Düne mit einer unter der Oberfläche puderzuckerartigen Konsistenz herauszufahren, stellte sich die Situation wie folgt dar (Klicken auf das jeweilige Bild zeigt eine vergrößerte Ansicht):
 
Abb. 13: Blick nach vorne an Sol 840: die Vorderräder liegen relativ frei Abb. 14: Blick nach hinten an Sol 840: die Hinterräder haben jetzt etwa 20 cm Luft

An Sol 841, dem 5. Juni 2006, war der Rover wieder frei, wie die nachstehenden Bilder der vorderen und hinteren Navigationskamera (Abb. 17,18) zeigen. Beim dritten Befreiungsversuch schaffte es der Rover wieder aus der Sanddüne heraus und fuhr ein Stück zurück in die Richtung, aus der er gekommen war.
 
Abb. 17: Blick nach vorne an Sol 841: die Vorderräder sind wieder frei Abb. 18: Blick nach hinten an Sol 841: die Hinterräder haben die Falle verlassen.

Die NASA hielt sich anders als vor einem Jahr nicht länger mit der Ursachenforschung auf, der Rover setzte nach der Befreiung einige Meter zurück und kurvte in das benachbarte Sandwellental, um seinen Weg zum Rand des Kraters Victoria zügig auf einer Parallelspur fortzusetzen. Hier der Blick zurück auf die beim Steckenbleiben in der Nachbardüne  entstandenen Fahrspuren:
 
Abb. 19a: der Blick zurück auf die beim Steckenbleiben verursachten Spuren Abb. 19b: der Blick zurück in Farbe auf die Düne namens Jammerbugt

Nach dem vorübergehenden Aufenthalt in dieser Sandfalle kam der Rover im Laufe des Monats Juni 2006 weiterhin recht flott voran. Trotz der parallel stattfindenden Aerobraking-Manöver des Mars Reconaissance Orbiters (MRO), der nahezu die gesamte schnelle X-Band Kommunikationskapazität des Deep Space Networks der NASA beanspruchte, war bis zum 24. Juni 2006 eine Wegstrecke von insgesamt 8.190 Metern auf dem Mars zurückgelegt und Opportunity dem kleinen 30 m Krater Beagle (Eckkrater ganz links oben in Abb. 4 auf dieser Seite) von Nordwesten her kommend bis auf 300 m Entfernung nahe gekommen. Das weitaus größere Ziel Victoria war zu diesem Zeitpunkt noch 790 m entfernt. Die NASA beschloss Mitte Juni 2006, einen Update der Flugsoftware hochzuladen, der der angespannten Energielage beider Rover wegen des Nord-Marswinters und der damit einhergehenden tiefstehenden Sonne besser begegnen konnte, und dies parallel für beide Rover. Wegen besagter Aerobrakingmanöver des Mars Reconnaissance Orbiters (MRO), konnte dieser Upload nur mit langsamer UHF-Kommunikation erfolgen und dauerte mehrere Wochen. Gegen Ende des Monats Juni 2006, so um Sol 862 herum, näherte sich der Rover dem nordöstlich des eigenlichen Ziels gelegenen etwa 30 m durchmessenden Krater Beagle. Zum erstenmal seit vielen Monaten wurde wieder etwas anderes als Sanddünen und felsiger Boden sichtbar:
 
Abb. 20: An Sol 832 näherte sich Opportunity dem Krater Victoria von Nordosten und befand sich in der Nähe des kleinen Kraters Beagle
Abb. 21: der 30 m Krater Beagle voraus in etwa 150 m Entfernung
Abb. 22: unendliches, in der Bewegung erstarrtes Sandmeer vor Krater Beagle in der Abenddämmerung

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