Opportunitys Reise nach Süden

Der Mitte März 2005 auf der Reise vom Endurance Krater Richtung Süden erreichte Krater Vostok war nahezu vollständig von Sanddünen bedeckt und daher für die Geologen nur von geringerem Interesse bei der Suche nach Wasser auf dem Mars. Die NASA beschloss daher, die Reise ohne größere Detailuntersuchungen weiter fortzusetzen, da nach weiteren 4 km in Richtung Süden wieder felsigeres Gelände zu erwarten und die Chance weitaus größer war, durch Analyse der Gesteine und Felsen die gewünschten Resultate erzielen zu können.

Wie die Satellitenaufnahmen der beiden Mars-Orbiter der NASA zeigten, war etwa 4 km südlich von Endurance vor Erreichen des  Kraters Victoria wieder mit felsigem Gelände zu rechnen ("Etched Terrain"). Das nächste Bild zeigt die von Opportunity zurückgelegte Wegstrecke bis zum 01. April, als der Rover etwa 3 km südlich von Endurance war und sich zwei kleinen Kratern namens Viking und Voyager auf seinem Weg zu Victoria näherte:
 
Wegeplan bis Sol 414
Abb. 1: Weg von Opportunity bis zum 01. April 2005 (Sol 414)

Wegeplan aus orbitaler SichtAufgrund des völlig ebenen Geländes stellte der Rover bei seiner Fahrt einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen auf - und das meist erzielt mit seinem autonomen Navigationssystem. Der Rover fand seinen Weg also meist völlig selbständig ohne Interaktion mit der Bodenkontrolle auf der Erde. So schaffte der Rover durchschnittlich über 200 m pro Tag ! Dabei fielen pro Tag etwa 30-70 MB Bilddaten an, die aufgenommen, berechnet, analysiert und in Bewegungsdaten für die 6 Räder umgesetzt werden müssen. Eine tolle Leistung.

Südlich von Vostok nahmen die Grösse und Höhe der Sanddünen allmählich immer weiter zu und überdeckten nahezu sämtliche Bodendetails, was für Untersuchungen wenig ergiebig war. Etwa im Gebiet des ebenfalls nahezu völlig von Sand bedeckten Kraters Erebus etwa auf halbem Wege zwischen Vostok und Victoria nahm der sandige Untergrund allerdings ab und felsige Strukturen wurden sichtbar. Am 06. April 2005 erreichte Opportunity den Krater Viking. Das nebenstehende Bild links zeigt die geographische Einordnung aus der Sicht einesOrbiters.






















Und so sah dieser Krater von der Oberfläche gesehen aus:
 
Krater Viking
Abb. 2: Der Krater Viking
Abb. 3: Sandiges Terrain beim Krater Viking - Der Rover passierte den Krater auf seiner Ostseite ohne grossen Zwischenstopp

So sah das Gelände zwischen Erebus und Victoria aus dem Orbit gesehen aus. Opportunity sollte dieses Gebiet ursprünglich bis Mitte April 2005 erreicht haben. Das mit Etched Terrain bezeichnete Gebiet besteht aus felsigem Untergrund und sollte näher untersucht werden.
 
Zwischen Erebus und Victoria
Abb. 4: Das Gebiet zwischen Erebus und Victoria

Opportunity hatte hinter Viking Probleme, da das Gelände wegen großer Sand- und Dünenfelder immer unwegsamer wurde. Damit war der Zeitplan des Erreichens von Erebus bis Mitte/Ende April 2005 dahin. Die folgenden Bilder geben einen Eindruck vom Gelände, das mehr einem in der Bewegung erstarrtem (Sand-) Meer glich als einer leicht zu durchfahrenden felsigen Gegend mit hartem Untergrund. Die Räder von Opportunity sanken stark in den weichen Boden ein und der etwa 180 kg schwere Rover hatte erhebliche Schwierigkeiten mit seiner Fortbewegung.
 
Abb. 5: Impressionen des Weges nach Krater Viking

Das Bild oben links in dieser Serie zeigt im Hintergrund den Krater Viking, den Opportunity in einer weitgezogenen Rechtskurve mit Kurs auf Voyager hinter sich ließ (siehe auch Übersichtsbild oben auf dieser Seite). Die weiteren Bilder wurden auf der Fahrt von Viking zum naheliegenden kleinen Krater Voyager auf dem Weg zu Erebus/Victoria Richtung Süden aufgenommen. Das letzte Bild rechts unten zeigt ein weiteres Problem, das wegen des relativen Alters von Opportunity in der eisigen Marskälte plötzlich auftrat. Der Servomotor für die Steuerung des rechten Vorderrades des Rovers (nicht das Rad selbst !) blockierte am 17. April 2005 in einer Radstellung von 8° nach links während einer der vom Rover selbständig berechneten autonomen Bewegungsphase, was ihn in eine langgezogene und nicht beabsichtigte Linkskurve zwang. Der Steuerungscomputer bemerkte die Kursabweichung, stoppte den Rover und informierte die Bodenkontrolle auf der Erde.

Eingehende Fehleruntersuchungen schlossen sich an, was die Reise des Rovers nach Süden Mitte April 2005 vorerst stoppte. Die Ursache des Servermotorschadens war nicht sofort zu ermitteln, allerdings ließ sich der Rover durch entsprechende Korrekturen an den anderen fünf Rädern trotzdem weiter manuell durch Rückwärtsfahren steuern, was allerdings auf Kosten der Präzision der Kursbestimmung ging. Dies sollte Folgen haben.

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