Beagle 2: Ende und Verlust

Am 20.12.2005 veröffentlichten die britischen Betreiber des Landers Beagle 2 die Ergebnisse ihrer Untersuchungen über die Absturzursache der Sonde. Sie war Ende Dezember des Jahres 2003 noch erfolgreich vom Orbiter Mars Express abgetrennt worden und hatte sich auf den Abstieg zur Planetenoberfläche gemacht. Danach war jede Spur von Beagle 2 verloren worden. Ein Absturz war sehr wahrscheinlich, allerdings konnte bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Bestätigung erhalten werden, da die Landung ohne jegliche Detektion durch den Orbiter oder Lauschposten auf der Erde durchgeführt worden war. Seit Frühjahr 2004 hatte Mars Global Surveyor und auch später noch die weiteren zum Mars entsandten neuen Orbiter nach dem Verbleib von Beagle 2 geforscht. Mit einem neuen Aufnahmeverfahren an Bord von Mars Global Surveyor, das Auflösungen bis hinunter zu 0.5 m/Pixel ermöglichte, wurde schon im August 2004 ein Bild aufgenommen, das sich vermeintlich als der Absturzort des Landers herausstellte. Allerdings stellte Mars Reconnaissance Orbiter mit seiner besseren HiRISE - Hochauflösungskamera später fest, dass dem nicht so war. Beagle 2 bleibt bis heute (Stand: Mitte 2008) verschollen.

Der 67 kg schwere Lander ist nach Ansicht von Colin Pillinger, dem Vater des Projekts, vermutlich durch wegen schwankenden Luftdrucks im Landegebiet und zu dünner Luft wegen des tiefliegenden Geländes unerwartet hart gelandet und dabei seine Kommunikationseinrichtungen so stark beschädigt worden, dass keine Verbindungsaufnahme mit ihm mehr möglich war. Die eingehende Analyse ergab ein nicht ganz eindeutiges Bild, mit dem das Schicksal des Landers vermeintlich aufgeklärt werden konnte. Die Landung von Beagle 2 war der erste Landungsversuch, der nicht in Äquatornähe in tief gelegenem Gebiet stattfand bei der höchsten Luftdichte auf dem Mars (etwa 7 mbar), sondern in einem höhergelegenen Gebiet in größerer nördlicher Breite (11.6°N, 269.5°W), wo der Luftdruck zwangsläufig sehr viel niedriger war. Offenbar hat man diesen Faktor bei Beagle 2 nicht genügend berücksichtigt. Hier nun die deutsche Übersetzung von Colin Pillingers Bericht. Klicken auf die Bilder liefert jeweils eine vergrößerte Ansicht:

Das nebenstehende Bild zeigt zur Übersicht die berechnete Landeellipse von Beagle 2, der Pfeil zeigt die vermutete Absturzstelle.

Die Absturzstelle liegt in einem kleinen Krater, etwas westlich vom großen, unbenannten Krater in der Bildmitte. Das Bild unten zeigt eine Aufnahme des relevanten Gebietes, die von Mars Global Surveyor mit speziell entwickelter Nachführungstechnik hochaufgelöst erhalten werden konnte.



In dieser Abbilldung sieht man die höchstaufgelöste Aufnahme von Mars Global Surveyor als Abschnitt aus dem vorhergehenden Bild. Der kleine schwarze Bereich am oberen Kraterrand ist die Aufschlagstelle des Lander-Airbags. Offenbar ist der Lander zu hart aufgekommen und wurde bei der Landung zerstört.






Die nächsten Bilder zeigen die Auswertung des Beagle 2-Teams, das glaubt, mit 100%iger Sicherheit den Absturzort von Beagle 2 gefunden zu haben.












Am 14. Februar 2007 gelang es Mars Reconnaissance Orbiter (MRO), den prognostizierten Absturzort hochaufgelöst mit einer Auflösung von etwa 84 cm pro Pixel aufzunehmen, sodass der Lander oder zumindest die Fallschirme hätten sichtbar werden müssen:


Besonders die Fallschirme und die weissen Luftsäcke, die den Aufprall mildern sollten, müssten im Falle eines Absturzes an dieser Stelle sichtbar sein. Doch es ist keinerlei von Menschen gemachtes Gerät in diesem Krater auszumachen, so dass die Theorie über den wirklichen Absturzort des Landers Beagle wohl falsch zu sein scheint.

Wenn auch Beagle 2 eine Enttäuschung war, so sind die Bilder von Mars Express nichtsdestotrotz spektakulär und auch die Ergebnisse des einzigartigen Marsis-Experimentes an Bord von Mars Express offenbaren eine ganz neue Sicht des Mars.

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