Beagle 2

Beagle 2 auf dem MarsBeagle 2 war ein Addon für Mars Express. Der Lander war eine Entwicklung aus dem universitären Umfeld in England und wurde mitgeführt, weil beim Start mit der Sojus-Fregat-Rakete noch Nutzlastkapazitäten frei waren. Wie sich später nach seinem Scheitern herausstellte, war Beagle 2 aufgrund von chronischer Geldknappheit der Entwickler mit heißer Nadel gestrickt und wegen Fertigungsproblemen und Terminnot nicht ordentlich getestet. Eigentlich war es ein Prototyp, der im Einsatz auf dem Mars zum ersten Mal getestet wurde, was dann auch prompt schiefging.

Beagle sollte atmosphärische Daten aufnehmen und die Bodenbeschaffenheit seiner Umgebung analysieren. Dazu war er entsprechend instrumentiert: zu seiner Bestückung gehörte neben einer Stereokamera ein Röntgen- und ein Mößbauer-Spektrometer zur Bestimmung der Zusammensetzung des Bodenmaterials. Darüberhinaus konnte er mit einem mitgeführten Bohrer bis in 1.5 m Tiefe graben und so auch Proben des unter der direkten Oberfläche liegenden Materials bestimmen.

Landesequenz von Beagle 2Beagle 2 hatte kein eigenes Triebwerk und konnte so nicht selbst während der Landung steuern. Nach dem Atmosphäreneintritt würde er durch zwei Fallschirmsysteme abgebremst werden und schließlich mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 km/h auf die Oberfläche aufschlagen, deutlich heftiger als bei den Mars Rovern. Die Landesequenz ist im Bild rechts dargestellt. Leider waren keinerlei Instrumente vorgesehen, um den Status der einzelnen Phasen während der Landung zur Erde zu übermitteln. Dadurch bekam man nach dem Scheitern der Mission keinerlei Informationen über die Gründe und war auf Vermutungen angewiesen.

Beagle 2 sollte in der Ebene Isidis Planitia bei 11.6°N, 269.5°W landen. Nach der Abtrennung von seinem Mutterschiff Mars Express sieben Tage vor der Landung, war Beagle 2 auf sich allein gestellt und hatte keinerlei Möglichkeiten mehr, wegen der fehlenden Triebwerke seinen Kurs zu ändern. Auch war nach seiner Abtrennung bis nach der Landung keinerlei Kommunikation mit der Erde mehr vorgesehen, denn Beagle 2 führte nur einen 5W-Sender mit sich, der ihn dazu befähigte, lediglich mit seinem Orbiter zu kommunizieren. Nach dem letzten Foto, das ihn nach der Abtrennung von seinem Mutterschiff zeigt, waren keinerlei weitere Daten von Beagle 2 mehr erhalten worden. Man weiß also weder, ob er überhaupt gelandet ist, oder schon vorher beim Atmosphäreneintritt verglüht ist.

Das Schicksal von Beagle 2 sollte für zwei Jahre ungelöst bleiben. Der akribischen Arbeit des Landerteams ist es zu verdanken, dass die Ungewissheit über das Schicksal der Sonde an Weihnachten 2005 scheinbar gelüftet werden konnte. In einem Artikel beschreiben Colin Pillinger u.a. das Ergebnis ihrer Analysen, hier ist  eine eigene Seite in deutscher Übersetzung dazu. Wie allerdings die späteren Hochauflösungsaufnahmen des Orbiters Mars Reconaissance Orbiter vom Februar 2007 gezeigt haben, ist diese Absturztheorie zwar in sich schlüssig, hat aber mit der Realität nichts zu tun: der vermeintliche Landeplatz in einem kleinen Krater zeigt keinerlei Spuren von Beagle. Letztlich ist Beagle 2 wahrscheinlich an einer für seine technische Ausstattung nicht geeigneten Stelle gelandet: die Luft war in der Nähe der Landestelle wegen der hochliegenden Topograhie des Geländes für die Lander-Airbags zu dünn, d.h. die Sonde prallte zu schnell für die  Stabilitätstoleranzen der Airbags auf und zerstörte dabei seine Kommunikationseinrichtungen. Details der Analysen sind der speziellen Analysenseite zu entnehmen.

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