Hinweise für einen Ozean auf dem Mars ?

Es gibt eine neue Veröffentlichung in Nature Geoscience, die die Möglichkeit eines nördlichen Ozeans in der Frühzeit des Mars möglich erscheinen lässt.

Die "Martian Chronicles" berichten über eine faszinierende neue Veröffentlichung mit der Thematik eines möglichen früheren Nordozean auf dem Mars. Die Autoren dieser Veröffentlichung, Gaetano DiAchille und Brian Hynek, haben auf dem Mars nach Landformen gesucht, die wie Flußdeltas aussehen: fächerförmige Geländemerkmale, die in Wasser entstanden sind und in denen sich Sedimente der urzeitlichen Flüsse abgelagert haben könnten. Ihre Untersuchungen über die Höhenprofile dieser geologischen Merkmale haben ergeben, dass sich alle in etwa der gleichen Höhe über Grund befinden und sich so im gleichen großen Vorkommen von flüssigem Wasser gebildet haben könnten, und zwar über den gesamten Planeten verteilt.
 

topografische Marskarte (rot ist hoch, blau ist niedrig). Die weisse Linie markiert die mögliche Küstenlinie. Die roten Quadrate markieren Flußdeltas, die sich in die nördlichen Tieflande ergiessen. Grüne Dreiecke und blaue Diamanten markieren Deltas, die sich in kleinere, geschlossene Bassins entleeren. Dieses Bild ist die Abb. 2a in der Veröffentlichung.


Viele der flußdeltaähnlichen Strukturen führen in geschlossene Systeme, wie z.B: Krater. Diese Bassins könnten isolierte Seen gebildet haben und wurden bei der Definition der möglichen Küstenlinie eines Nordozeans nicht mitgezählt. DiAchille und Hynek finden 17 Deltas, die sich nicht in geschlossene Systeme entleeren und bei ihnen die Eckpunkte der nördlichen Niederlande bilden.
 
Erstaunlich ist, dass bei der Messung der Höhe über Grund alle diese Flußdeltas, die über den gesamten Planeten verteilt sind, innerhalb von einigen hundert Metern auf der gleichen Höhe liegen. Dies führt zu der logischen Annahme, dass sie sich bildeten, als sich offenes, fließendes Wasser in einen riesigen Nordozean ergoß. Die Küstenlinie dieses Ozeans korreliert sehr schön mit Teilstrukturen, die bisher schon als mögliche Grenzlinien zwischen dem südlichen Hoch- und dem nördlichen marsianischem Tiefland interpretiert werden.

Die potentielle Küste ist ebenfalls konsistent zu geologischen Gegebenheiten, an denen flußähnliche Kanäle auf dem Mars postuliert worden sind. Eine Karte solcher Kanalstrukturen zeigt, dass sie sich alle auf Höhenlinien befinden, die bis auf 1% genau unterhalb der postulierten Küstenlinie liegen.  Darüberhinaus sind einige der sich in Krater entleerenden Flußdeltas ebenfalls auf Höhe der theoretischen Küstenlinie positioniert, sodaß man annehmen kann, dass sie sich nahe des Nordozeans auf gleichem Wasserhöhe befunden haben und ein globales Grundwassersystem gebildet haben könnten.

Mögliche Einwände gegen diese faszinierende Theorie gibt es auch:  Wenn sich diese Küstenlinie vor etwa 3 Mrd. Jahren gebildet hat, hätte Erosion diese Strukturen deutlich verändert und sie wären heute in dieser Form nicht mehr sichtbar. Außerdem ist fraglich, ob alle als Flußdeltas postulierten geologischen Strukturen nicht auch einfach nur die erodierten Überreste von alluvialen Fächern sein könnten (siehe z.B. im Eberswalde-Krater, einem der möglichen Landeplätze von Curiosity).

Die weitere Erforschung des Mars wird zeigen, was stimmt. Die von den beiden Autoren postulierte Struktur ist nichtsdestotrotz von faszinierender Einfachheit und wird die Wissenschafts- und Fangemeinde sicherlich noch weiter beschäftigen.
 

Di Achille, G., & Hynek, B. (2010). Ancient ocean on Mars supported by global distribution of deltas and valleys Nature Geoscience, 3 (7), 459-463



Quelle
http://martianchronicles.w....com/2010/07/19/new-evidence-for-an-ocean-on-mars/


Veröffentlicht am:
22:16:00 20.07.2010 von Udo Günther